das baugerüst 3/12 Zeitlos oder die Kunst sich zu langweilen

 

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Inhalt

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Wolfgang Noack: Multitasking zur Zeitsparkasse

Sind Sie Rolltreppen-Steher/in oder Rolltreppen-Geher/in? Also, ich kann es nicht leiden, wenn vorzugsweise Paare mittleren Alters ihre Zweisamkeit dadurch demonstrieren, indem sie sich auf fahrenden Treppen nebeneinander postieren. Ist doch überall zu lesen: „rechts stehen, links gehen“.
Es geht ja gar nicht darum, einige Minuten früher oben oder unten zu sein, nein dieses Gefühl von Stillstand stört eher. (Wenn auf langen Rolltreppen wirklich kein Durchkommen ist, lohnt es sich das IPhone aus der Tasche zu ziehen).

Oder: Wie geht es Ihnen, wenn der ICE plötzlich auf freier Strecke stehen bleibt? Signalstörung, Triebkopfschaden oder eine  der sonstigen Erklärungsversuche. Man kennt das ja. Denken Sie: „Schön, einige Minuten länger Zeit zum Lesen“ - oh, pardon, zum Arbeiten - oder können Sie sich auch nicht mehr konzentrieren, schauen alle paar Minuten auf die Uhr und hadern: „Wieder mal typisch Deutsche Bahn“. Die Unruhe steigert sich und wenn es nach 15 Minuten dann weiter geht, bleibt der Ärger, diese geschenkte Zeit nicht angenommen zu haben.

Wieder ist es der Stillstand, der hier stört, während der Sekundenzeiger weiter seine Runden zieht.

In Michael Endes Buch „Momo“ schwatzen die grauen Herren den Menschen kostbare Lebenszeit ab, indem sie ihnen einreden, man könne mit der Zeit doch viel Besseres anfangen als sie nur zum täglichen Leben zu gebrauchen. Die Menschen sollen immer mehr Zeit sparen und deshalb auf alles Schöne, auf Freunde und auf Schlaf verzichten. Nun gibt es in dem Roman neben Momo den Straßenkehrer Beppo und die Schildkröte Kassiopeia, die am Ende mit Hilfe von Meister Hora die Zeit doch noch für die Menschen retten. „Zeit stehlen“, sagte Michael Ende in einem Interview, „kann man nur demjenigen, der Zeit spart, denn jemand, durch den die Zeit sozusagen immer hindurchfließt, der seine Zeit nicht festzuhalten versucht, der hat ja gar keine, die man ihm stehlen kann“.

Wenn ich also nach 15 Minuten Stillstand auf freier Strecke meine, die Deutsche Bahn habe mir die Zeit gestohlen, bin ich nur nicht in der Lage, die „Zeit hindurchfließen zu lassen“ und mich in aller Ruhe Zeitung oder Buch zuzuwenden. Stimmt!

Aber die grauen Herren von der Zeitsparkasse sammeln ja nicht nur ein, sie haben ein Riesenangebot im Portfolio. Dabei sind Emails am Laptop sortieren oder das schnelle Spiel am IPhone noch die harmlosesten Varianten. Was gibt es doch alles für Tätigkeiten, die wir meinen machen zu müssen, weil andere oder ich selber es erwarten. „Wieviel Zeit verbringst du am Tag eigentlich mit Dingen, die du gar nicht machen willst?“, las ich auf einem Schild. Nun ist das kein Aufruf für rücksichtslosen Individualismus, aber nachdenken darüber, was wichtig und unwichtig, was nachrangig und was vorrangig ist, lohnt sich schon.  „In Wahrheit“, heißt es bei Momo, „werden die Menschen um ihre Zeit betrogen. Während sie versuchen Zeit für später zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben.“

Dabei verfügten die Menschen - zumindest hierzulande - noch nie über so viel freie Zeit wie heute. 82 Stunden pro Woche musste ein Arbeiter 1825 noch an der Maschine stehen, sechs Tage die Woche, frei gab es nur an Festtagen. Wenn heute nur noch 35 bis 40 Stunden für Erwerbsarbeit „verbraucht“ werden, dann wird in diese Zeit immer mehr hineingepackt. Wir sind wahre Künstler geworden, wenn es darum geht, Arbeitszeit zu verdichten und immer mehr in immer kürzerer Zeit (gleichzeitig) zu erledigen. Multitasking bringen wir Aufgaben und Angebote unter einen Hut. Während ich auf dem Laptop schreibe bin ich offen für Mails, die akustisch den Eingang melden. Oder telefonieren und surfen im Netz, essen und - ach, Sie wissen schon selber.

Auch in der gewonnenen Freizeit ist das Angebot stetig gestiegen. (Momo würde sagen, die Herren von der Zeitsparkasse haben immer mehr im Angebot). Jeder verfügt zunehmend über eigene Zeiteinteilung, die gemeinsame Zeit wird entstrukturiert. Das hat Konsequenzen. Der Sonntag wird zum Alltag, Einkaufszeiten werden verlängert und einen Film möchte ich dann anschauen, wenn ich es will und nicht wenn ein Programmschema es mir vorschreibt.
Gleichzeitig boomen Angebote wie „Kloster auf Zeit“. Feste Zeiten und wenig Ablenkung. Der Multitasking-Mensch sehnt sich nach Reduzierung, den Herren von der Zeitsparkasse ist der Eintritt ins Kloster verwehrt.

„Für mich persönlich sind die Jahre, die unseren jungen Leute bisher verloren gehen, gestohlene Lebenszeit“. Vor 15 Jahren kritisierte der damalige Bundespräsident Roman Herzog in seiner „Ruck-Rede“ die seiner Meinung nach zu langen Schulzeiten. Wieder so ein grauer Herr, der den Menschen etwas aufschwätzen will. Die Folgen sind bekannt. Die Kultusminister verkürzten die Schulzeit und die Turbo-Abiturienten kamen jetzt schneller zum Turbo-Studium. Auch diese Folgen sind bekannt (siehe hierzu auch die Beiträge von Andreas Lange, Jürgen Rinderspacher sowie Frank Beckmann und Jakob Hoffmann in diesem Heft).
Der Zeitdruck tötet die Bildung. „Menschen brauchen Zeit“, so kürzlich der Würzburger Bildungswissenschaftler Andreas Dörpinghaus (1), „damit sie sich mit sich selbst und mit Inhalten auseinandersetzen können“. Genau dies geschieht in der außerschulischen Jugendarbeit, für die in diesen G8- und Bachelor-Zeiten immer weniger Zeit bleibt.

Wir begreifen Zeit heute als Ressource und immer weniger als Zeit zum Leben. Darüber sollten wir nachdenken - und wenn es beim Stehen auf der Rolltreppe ist. Für einen anderen Blick auf die Zeit wollen die Beiträge in diesem Heft anregen. 

(1) Andreas Dörpinghau, Katharina Uphoff. Die Abschaffung der Zeit - Wie man Bildung erfolgreich verhindert.

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Günter Ruddat: Zeit ist Leben Zeit ist Gnade

Sieben biblische Erinnerungen

I. Es ist Zeit für die BibelMorgens um sieben, wir sitzen am Frühstückstisch, zu Beginn lese ich die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine (1), manchmal überraschende Querschläge und Horizonterweiterungen meiner alltäglichen Befindlichkeit, später blättere ich die Zeitung durch, so beginnt der Tag, nicht selten mit einem Gebet über der Zeitung.Gefragt, einen kurzen Beitrag zum Thema „Zeit in der Bibel“ zu schreiben, kommen mir als erstes zwei Bilder in den Sinn: Einmal das Zifferblatt einer Uhr ohne Zeiger, so etwas wie eine Erinnerung an zeitlose Ewigkeit: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde!“ – Zum anderen: ZEIT IST GNADE, diese 12 Buchstaben markieren auf dem Zifferblatt einer alten Kirchturmuhr, was die Stunde geschlagen hat. Auf dem Hintergrund der Bibel wird doppel-deutig ein anderes Verständnis von Zeit, mit dem wir uns alle Tage auseinandersetzen können, Zeit, die gut ist für alle.Nach einem skizzenhaften Versuch, in aller Kürze Zeit im biblischen Alltag zu begreifen, erinnere ich in vollem Bewusstsein, nicht die ganze biblische Bandbreite abschreiten zu können, an exemplarische biblische Texte zum Thema.II. Ein Versuch, Zeit im biblischen Alltag zu begreifen

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Andreas Lange: Generation „Speedy Gonzales?“

Spätmodernes Aufwachsen im Koordinatennetz von gesellschaftlichem Zwang und jugendlicher „Resistenz“

Die „schnelle“ Generation im Beschleunigungssog?

Die aktuell diagnostizierte „Beschleunigungsgesellschaft“ (Rosa 2012) trifft bei Kindern und Jugendlichen auf eine Bevölkerungsgruppe, die den Potenzialen des immer Schnelleren und des Multitasking, des „Switchens“ zwischen den Orten und Welten (Tully 2009) aufgrund ihrer ohnehin auf Wandel und Umbau angelegten entwicklungspsychologischen Strukturen prinzipiell aufgeschlossen ist. Es handelt sich  um eine Altersgruppe, die den „speed“ von Lebensstilwandel, Mode, Musik und Sport genießt und selbstverständlich in ihren Alltag integriert und sich insgesamt gesehen in einer immer „situativer“ konzipierten Zeitkonstruktion bewegen muss (Leccardi 2012).  Dabei gilt auch, dass aufgrund der Rasanz des Wandels, insbesondere des technologisch und modemäßigen, die Differenzen innerhalb der Gruppe der Jugendlichen ebenfalls beachtet werden müssen: Hier reichen zum Teil geringe Unterschiede zwischen den Geschwistern, um sie zu selbstverständlichen Teilhabern unterschiedlicher „Generationen“ zu machen (Jäckel 2012). 

Kinder und Jugendliche sind darüber hinaus einer Vielzahl unterschiedlicher Zeiten ausgesetzt – und gleichzeitig schaffen sie selbst eine Reihe wichtiger zeitlicher  Strukturen. Teilweise tun sie dies in schwierigen und kontroversen Aushandlungsprozessen mit ihren wichtigsten Bezugspersonen, namentlich den Eltern, Lehrern und Erziehern. Neue Zeitstrukturen mit durchaus kontroversen Effekten auf Jugendliche entstehen derzeit durch den Umbau von Schule und Jugendhilfe. Eine Gruppe von Jugendlichen indes sieht sich trotz einer beschleunigten und immer mehr Optionen aufweisenden Gesellschaft zunehmend abgekoppelt von diesem Erlebnis- und Chancenstrom – gemeint sind sozial schwache und bildungsarme Jugendliche, deren biographische Fahrpläne in frustrierende, zyklische Endlosschienen zu münden scheinen.


Zeiten der spätmodernen
Gesellschaft – Attacken auf die kulturelle Auszeit der Jugend

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Andreas v. Heyl: Lebenszeit gleich Arbeitszeit?

Zeit ist kostbar

Warum? Weil wir nur einen begrenzten Vorrat davon zur Verfügung haben. In der Regel siebzig bis achtzig Jahre (wie schon der Beter im 90. Psalm sagt). Wer jung ist, meint, „alle Zeit der Welt“ zu haben. Je länger man lebt, desto mehr spürt man jedoch, dass sie flüchtig ist, die Zeit. Alte Menschen schauen erschrocken zurück und fragen: „Wo ist die Zeit denn nur geblieben?“ Unaufhörlich tickt die Uhr, Stunde um Stunde vergeht – unwiderruflich und unwiederbringlich. „Carpe diem!“ (Nutze den Tag!), „Kaufet die Zeit aus!“, „Nutzt eure Lebenszeit, verschwendet sie nicht, verbringt sie mit etwas Sinnvollem!“ war und ist darum der Ruf aller Religions- und Weisheitslehrer. Sinnvoll, so sagen sie, nutzen wir unsere Lebenszeit, wenn wir Liebe geben und empfangen, wenn wir unsere Begabungen entfalten und sie der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, wenn wir etwas schaffen, das anderen hilfreich ist.

Zeit ist knapp

Es ist paradox: einerseits ist in den letzten hundert Jahren die allgemeine Lebenserwartung immer mehr gestiegen, andererseits haben wir heute weniger Zeit denn je. Unsere Zeitnot war früheren Generationen unbekannt. In der „guten alten Zeit“ ging das Leben noch beschaulich zu, man hatte Zeit zum Schauen und Verweilen. Die Menschen gönnten sich den Luxus der Besinnlichkeit und Muße, es gab Phasen und Oasen der Ruhe. Heute hat sich die Besinnlichkeit weithin zur Besinnungslosigkeit gewandelt. Unsere Gegenwart ist gezeichnet von einem ständigen Vibrieren, von ungesunder Ruhe- und Rastlosigkeit, Hektik und Hast, die die Menschen kaum mehr zu sich kommen lässt. Aber je hektischer das Leben ist, desto schneller rast auch die Zeit dahin und davon.

Zeit ist Geld

Seit Beginn der Industrialisierung vor etwa 150 Jahren hat sich diese Ansicht mehr und mehr durchgesetzt. Die Unternehmer merkten schnell: Je mehr man in immer kürzerer Zeit herstellen kann, desto größer ist der Mehrwert, den man erwirtschaftet. Nicht lange nachdem die ersten Fließbänder eingerichtet waren, kamen „Refa“-Leute in die Betriebe (1924 wurde der „Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung“ gegründet). Mit der Stoppuhr in der Hand analysierten sie die einzelnen Arbeitsschritte und errechneten, wie sie sich immer noch schneller „takten“ ließen. Das Ergebnis war der „getaktete“ Mensch, der im Takt der Produktionsprozesse zu funktionieren hat. Seine Lebenszeit wurde von nun an durch die Arbeitszeit bestimmt.

Lebenszeit ist mehr als Arbeitszeit

Erst  nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich allmählich die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten. Vor allem den Gewerkschaften und engagierten Sozialpolitikern ist es zu verdanken, dass bei uns die ausbeuterische, rein kapitalistische Wirtschaftsform schließlich durch die soziale Marktwirtschaft abgelöst wurde. Sozialverträglichere Wochenarbeitszeiten von etwa 40 Stunden wurden eingeführt, eine menschenwürdige Entlohnung, das freie Wochenende, feste Urlaubszeiten, Sozialversicherungen, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall etc. Nun konnten die Menschen wenigstens nach „Feierabend“, am Wochenende und im Urlaub ihre „Freizeit“ genießen und so gestalten, wie es ihnen gefiel. Damit war der Grundstein gelegt zu einer höheren Lebensqualität und zu dem, was man heute „work-life-balance“ nennt. Langsam setzte sich die Erkenntnis wieder durch, dass der Mensch zwar arbeiten muss, um zu leben, aber nicht lebt, um nur zu arbeiten.
 
Der allzeit verfügbare Mensch

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Christiane Thiel: Was ist eigentlich Zeitverschwendung?

Lieber Martin,

du hast mich „Dinosaurier“ genannt. Mit einem Lächeln. Und Du hast Recht. Ich bin ein Tier der Urzeit. Was ich Dir zumute! Vor wenigen Monaten solltest Du ein Buch lesen, das ich Dir geschenkt hatte! Heute sollst Du mir einen Brief schreiben! Ich habe kein Handy. Deine Versuche, mich per SMS zu erreichen, werden fehlschlagen. „Wo lebst du eigentlich?“, hast Du mich schon öfter fassungslos gefragt. Selbst mein Chef ist der Meinung, ich müsse mobil erreichbar sein. Das lehne ich ab. Ich habe zu Hause ein Telefon. Nicht einmal das hat eine Funkverbindung, sondern eine geringelte Schnur, die mich zum Telefonieren an meinen Schreibtisch bindet. Wortwörtlich. Und dieses Telefon hat (Errungenschaften der Neuzeit!) einen Anrufbeantworter. Ich rufe zurück.
Ja. Ich Dinosaurier melde mich jetzt auf diese altertümliche Weise bei Dir. Ich schreibe Dir einen Brief. Du sollst mir antworten. Diesen Wunsch möchte ich gleich klarstellend wiederholen. Ich wünsche keine Email. Nein! Ich will auch die Freude spüren, wenn ein echter Brief im Kasten liegt und das Gefühl erleben, zu tasten, ob es ein Brief auf mehreren Bögen ist oder nur ein knappe Karte im Umschlag stecken wird. Suchst Du eine schöne Briefmarke für mich aus? Ich sehe mir die Briefmarken genau an. Ich habe übrigens ein Briefmarkenabonnement und kriege jedes Vierteljahr alle Briefmarkenneuerscheinungen der Deutschen Post zugeschickt. Jedes Mal freue ich mich über die Schönheit der Marken. Ich bin echt von gestern. Gut.
Ich schreibe Dir. Du hast mir eine schwierige Frage gestellt, deren Beantwortung das Medium des Briefes erzwingt. Ich brauche Zeit, um meine Gedanken zu sammeln und zu Papier zu bringen.
Du hast zu mir gesagt: „Meine Eltern drängeln mich, ich solle nach dem Schulabschluss keine Zeit verschwenden, sondern schnell eine gute Ausbildung beginnen.“ Dann hast Du eine vielsagende Pause gemacht und anschließend mit zerknirschtem Gesichtsausdruck gefragt: „Was ist eigentlich Zeitverschwendung?“

Das ist eine gute Frage. Seitdem Du sie mir gestellt hast, lässt sie mich nicht mehr los.

Was willst Du denn nach der Schule machen? Die Frage muss ich natürlich zuerst stellen. Willst Du ein Freiwilliges Soziales Jahr machen? Willst Du nach Australien reisen und Dich mit „work and travel“ durchschlagen? Oder hast Du andere Pläne? Wie sehen sie aus? Ich weiß es nicht. Das scheint die Antwort auf Deine Frage noch schwerer zu machen. So kommt es mir jedenfalls zuerst vor. Ich müsste wissen, will der Junge etwas Sinnvolles machen, wenn er nach der Schule eine Pause im Ausbildungsfahrplan einlegen will oder will er etwa das, was meine Freundin treffend einmal das „Freiwillige asoziale Jahr“ genannte hat, machen? Gemeint ist: rumgammeln, faulenzen, nichts machen…

Ich halte inne.

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Frank Beckmann, Jakob Hoffmann: Burn Out mit 15?

Plädoyer für ein Recht auf freie Zeit!

Marta kommt zur Tür herein und fällt völlig erschöpft auf’s Sofa. Was für ein Tag! Um 6.30 Uhr musste sie schon aus den Federn, schnell ins Bad, frühstücken und ab in die Schule. Heute waren es nur neun Stunden und am frühen Nachmittag war noch eine halbe Stunde, um sich mit Petra auf ein Eis zu treffen. Dann ab in die Musikschule – Marta lernt Geige. Jetzt ist es 18 Uhr und Marta freut sich auf die Donnerstagabende im „Kellercafé“. Seit der Konfirmation im letzten Jahr treffen sie sich hier immer ein Mal in der Woche im offenen Treff der Kirchengemeinde. Marta kommt am liebsten zum „Klönen“, „Chillen“ und „Daddeln“, wie sie das nennt.

Paul würde ja ab und zu gern mal was mit ihnen unternehmen, irgendwo hinfahren, mal raus auf die Wiese, Musik machen oder über einen Text nachdenken, dafür sind sie aber meistens zu erschöpft. Paul ist der Gruppenleiter. Er gibt meistens nach. Er hört zu, gibt Ratschläge, hilft bei der ersten Beziehungskrise oder schaut auch mal auf die Bewerbung für einen Praktikumsplatz. Nur noch gelegentlich wirbt er für den nächsten Ausbildungskurs für Ehrenamtliche. Im letzten Jahr haben trotzdem drei von ihnen teilgenommen und sind im Sommer als Jugendleiter mit auf eine Freizeit ans Mittelmeer gefahren. Marta überlegt, ob sie dieses Jahr auch mal mitfahren soll, aber noch zwei zusätzliche Wochenenden für die Ausbildung, die Vorbereitungstreffen und zwei Wochen von den Sommerferien weg? Eigentlich hat sie doch mit dem Ferienjob ihr Taschengeld etwas aufbessern wollen.

Leben im Wettbewerb

Eine Szene, wie sie sich vermutlich jeden Tag an irgendeinem Ort in Deutschland abspielt. Die Lebenswirklichkeit junger Menschen hat sich in den vergangenen zehn Jahren rasant verändert. Bereits im Vorschulalter denken Eltern über die bestmöglichen Startbedingungen ihrer Kinder für ein „Leben im Wettbewerb“ nach. Zeit ist schon bei den Kleinsten zu einem kostbaren Gut geworden. Bereits im Kindergarten wird der Alltag entlang von externen Anforderungen ausgerichtet und einem mehr oder weniger eng getakteten Zeitregime unterworfen. Spätestens mit Eintritt in die weiterführende Schule verdichtet sich diese zweck- und zielgerichtete Zeitplanung zu einem durchrationalisierten Alltag – hoch systematisiert, teils vermuteten, teils realen Anforderungen von Umwelt und Gesellschaft gehorchend. Jede Aktivität wird auf ihren Mehrwert für den weiteren Lebensweg, die Anschlussfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt, die Veredelung der eigenen Biografie oder eine anderweitig abstrakt definierte Sinnhaftigkeit hin befragt. Schon Teenager unterliegen einem enormen Zeitdruck und müssen ständig priorisieren, d. h. vor allem entscheiden – und das empfinden sie als anstrengend. Zweckfreie Zeiten scheinen schlicht illegitim, vielfältig sind sie einfach nicht mehr vorhanden.

Freie Zeit nicht mehr vorgesehen

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Dorothee Land: Von der Kunst sich zu langweilen

Viele Menschen klagen heute, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Langeweile kommt bei ihnen nicht auf, darf auch nicht aufkommen. Die Aussicht auf freie Zeit ohne Aufgaben, Termine und Zielvorgaben ist für sie eine Bedrohung. In der Physik wird vom Horror vacui, der Abscheu vor der Leere, gesprochen. Der Begriff besagt, dass die Natur vor leeren Räumen „zurückschrecke“. In Entsprechung empfinden Menschen in unserer reiz- und erlebnisüberfluteten Welt leere Zeiträume als Bedrohung. Sie schrecken davor zurück und tun alles, um jegliche Form von Langeweile zu vermeiden. Denn diese ist gefühlsmäßig überwiegend negativ besetzt. Sich zu langweilen wird assoziiert mit Nutz- und Lustlosigkeit und Leere. In einer Welt der unerschöpflichen Möglichkeiten entsteht schnell der Eindruck, dass der, der sich langweilt, unfähig ist, sein Leben zu gestalten. Dem muss gewehrt werden, also werden Abwehrmechanismen in Gang gesetzt. Damit etwas „läuft“ stürzt man sich in Aktionismus, Vergnügen, Zerstreuung. „Ich kann nicht anders…“ „Ich muss doch aber…“ So fangen gängige Ausreden an, die Pausen unmöglich machen, Freizeit und Stille in unerreichbare Ferne rücken.
 
Die negative Konnotation von Langeweile hat ein lange Geschichte. Schon zur Zeit der Wüstenväter, etwa bei Euagrios Pontikos im 4.Jhd. nach Christus, wurde sie – lat. akedia – als Trägheit des Herzens beschrieben. Sie fand Eingang in den Katalog der sieben Todsünden. Das wirkt bis heute nach u.a. in einem protestantischen Arbeitsethos, das Müßiggang und Sichgehenlassen moralisch abwertet. Wer viel und manchmal bis zur Erschöpfung arbeitet, scheint ein höheres Ansehen zu genießen als die, die bewusst Auszeiten und Entschleunigung suchen. Da hilft auch alle Rede von der Rechtfertigung allein aus Gnade nicht. Mancher verliert die Balance zwischen den Erwartungen von außen und den Wünschen und Interessen der Innenwelt, fühlt sich dann krank und erschöpft.

Ganz positiv richtet Ulrike Zöllner in ihrem Buch „Die Kunst der langen Weile“(1) die Aufmerksamkeit auf die Potentiale der Langeweile und zeigt einen veränderten Umgang mit ihr auf. Sie beschreibt: Wer vor der Langeweile flieht, flieht u.U. auch vor der Tatsache, auf die Frage nach dem Sinn des Daseins keine Antwort zu haben, flieht vor sich selbst und vor der Angst, die leere Zeit nicht aushalten zu können. Statt vor ihr zu fliehen, könnten wir uns auf sie konzentrieren. Denn sie ist Ausdruck für Unterbrechung, für eine schöpferische Pause. Dafür plädiert auch Verena Kast: „Die Langeweile kann man sich … mit Kurzweil vertreiben, eine aufwendige Angelegenheit, oder aber man kann die Langeweile als eine Emotion verstehen, die uns zwingt, inne zu halten, uns neu auf uns selbst zu besinnen und uns wahrzunehmen.“(2) Sie ist die Störung, die einem ruhelosen und auf Dauer erschöpfenden Aktionismus entgegenwirkt. Geistlich gesprochen schaffen Momente der Langeweile Raum, Gottes Gnade  zu empfangen. Statt sich abzurackern, statt die Zeit bis auf Viertelstunden zu verplanen, können leere Zeiträume Anlässe sein, wieder in Kontakt zu kommen mit den inneren Wünschen und Interessen. Aus leerer Zeit wird Zwischenzeit, in der kreative Prozesse angestoßen werden.
Es gibt viele moderne Künste. Eine ließe sich wieder positiv lernen – die Kunst, sich zu langweilen!


(1) Ulrike Zöllner. Die Kunst der langen Weile. Über den sinnvollen Umgang mit der Zeit. Stuttgart 2004.
(2) Verena Kast. Vom Interesse und dem Sinn der Langeweile. Düsseldorf; Zürich 2001, S.10

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Jürgen Rinderspacher: Zeitwohlstand und Jugendarbeit

Getaktete Gesellschaft

Alle Dinge, die die Gesellschaft heute von ihrer jungen Generation erwartet, brauchen Zeit – mehr Zeit denn je, denn die Anforderungen sind höher geworden. Im Zuge der Effektivierung, Modernisierung oder  Straffung des Bildungswesens – je nachdem wie man es betrachtet – werden die Zeiten, die den Jugendlichen zur Erfüllung der Erwartungen, die wir an sie stellen, zur Verfügung stehen, tendenziell kürzer.

Eine der prägenden Grundstimmungen unserer gegenwärtigen Epoche sind zunehmend Angst und Unsicherheit. Auch wenn die zuletzt veröffentlichte Shell-Studie einmal mehr gezeigt hat, dass ein Großteil der Jugendlichen nach wie vor tendenziell optimistisch in die Zukunft schaut – zumindest was ihre eigene Zukunft angeht – so scheint sich doch das Lebensgefühl gegenüber vorigen Epochen von einer Grundstimmung der Geborgenheit in die einer Dauerkrise mit ungewissem Ausgang verwandelt zu haben. Wichtig erscheint mir, dass dabei die Herausbildung postmoderner Zeitstrukturen bisher eine im Großen und Ganzen unterstützende und eher selten eine bremsende, abfedernde Rolle gespielt hat.

Hartmut Rosa beschreibt die Individuen in unserer sich weiter beschleunigenden Lebenswelt bildlich als auf einer schiefen Ebene stehend: Sie müssen sich von morgens bis abends gegen das soziale Abrutschen stemmen, wollen sie nicht aus der Gesellschaft herauskippen. Diese Gefahr droht unter anderem, wenn sie sich nicht oder nicht mehr in der Lage sehen, den zeitlichen Ansprüchen der Arbeitswelt und unzähliger anderer gesellschaftlicher Teilsysteme zu entsprechen.
Die Schule ist da keine Ausnahme, sondern im Gegenteil der institutionalisierte Lernort für das postmoderne (vgl. Sauer 2011) Leistungsverhalten. Sie ist ein Ort, an dem nicht nur Bildungsinhalte vermittelt werden, sondern, nicht weniger wichtig, auch die Fähigkeit eingeübt wird, sich in einem vorgegebenen Takt erfolgreich mit zu bewegen. So gilt bekanntlich Pünktlichkeit als eine Generaltugend und eine Klassenarbeit wird nicht nur danach bewertet, ob sie inhaltlich korrekt ist, sondern auch, ob die gestellten Aufgaben innerhalb der vorgegebenen Fristen erledigt werden.

Mir scheint, dass gerade Kinder und Jugendliche noch mehr als andere Gruppen von der zunehmenden Forcierung der Leistungsgesellschaft betroffen sind – jedenfalls sofern sie – und dies ist sehr wichtig bzw. bei Jugendlichen keineswegs selbstverständlich – in die Gesellschaft integriert sein bzw. bleiben möchten. Dieser Ist-Zustand  steht zunehmend im Gegensatz zu dem, was Kinder und Jugendliche an zeitlichen Rahmenbedingungen vorfinden sollten, um erfolgreich in die Gesellschaft hineinzuwachsen, zumindest nicht an ihr zu scheitern.

Zeitliche Grundbedürfnisse

Für eine gelingende Adoleszenzphase sind bestimmte Erfordernisse an die Gestaltung von Zeitstrukturen und an Art und Umfang zeitlicher Chancen im näheren Lebensumfeld unverzichtbar. Ausgehend vom gesamten Entwicklungsprozess einer heranwachsenden Person wird gefragt, welche Art von zeitlichen Chancen Jugendliche im täglichen Verlauf benötigen, um in Bezug auf ihre physische und psychosoziale Gesundheit relativ risikofrei aufwachsen zu können und gesellschaftlich inkludiert zu sein. Zeitliche Erfordernisse beschreiben also Minimalstandards zeitlicher Rahmenbedingungen, unter denen Jugendliche aufwachsen sollten.

Zeitliche Erfordernisse

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Rainer Brandt: Die Zeit nehm`ich mir Zeit für Fortbildung?

In einem Lifestyle-Katalog entdeckte ich eine ausgeklügelte Tischuhr. Richtig programmiert, errechnet sie auf die Minute den Stundenlohn aller an einem Meeting beteiligten Personen. Für Gobal Player selbstverständlich in gewünschten Währungen. Eine tickende Geldvernichtungsmaschine, die den Ressourcenverbrauch schonungslos offenbart. Segen und Fluch für Kreativität, Produktivität und Erfolg. Segen, wenn ich an manche zähe Sitzung denke, in der viel Arbeitszeit und Energie geradezu verbrannt wurde. Fluch, weil Kreativität ein anregendes Umfeld braucht. Eine tickende Uhr, die mir jederzeit vor Augen führt wieviel Lohnkosten gerade verbrannt werden, kann zum Scharfrichter werden. Denkversuche, die in andere Richtungen führen werden verstummen, geknebelt vom Ticken der Zeitvernichtungsmaschine. Segen und Fluch - oder alles braucht sein entsprechendes Format.

Bildung ist ein langsamer Prozess

Dies gilt auch für Bildungsformen. Bildung ist ein langsamer Prozess. „Die Annäherung an sinnvolle Zusammenhänge vollzieht sich nicht auf Schnellstraßen, Lernen spießt sich, gerät auf Neben-, Ab- und Umwege, ist ein Suchen und Tasten und erschließt sich oft sprunghaft.(1)
Dafür braucht es Zeit, was aber nicht im Widerspruch zum Weg des wirtschaftlichen Produzierens steht oder gar einer intensiven und kontinuierlichen Nutzung der Arbeitskraft.
Aufgewendete Zeit für Bildung darf sich und muss sich rechnen lassen. Es geht um Lebens- und Arbeitszeit. Dazu braucht es eine Verständigung über Bildungswege und Erfolge.
Bis heute höre ich den Ruf meines Deutschlehrers, zugleich ausgebildeter evangelischer Religionslehrer: Leistung ist Arbeit durch Zeit. Er ließ es uns stets wissen, kurz vor Abgabe der Deutschaufgabe. Grund genug nachzudenken über ein verändertes Fortbildungsverhalten, um auch hier Segen und Fluch zu entdecken.

Seit über 25 Jahren beobachte ich den kirchlich-sozialen Fort- und Weiterbildungsmarkt, sei es aus der Perspektive des Vorgesetzten, der Mitarbeitende dazu motiviert und freistellt, sei es als Fortbildner selbst, der seit zehn Jahren darin seine Hauptaufgabe sieht. Wohin der Trend geht, ist wenig umstritten. Außer bei längerfristigen Weiterbildungen führt er zielsicher hin zu Tagesveranstaltungen, am liebsten als Inhouse-Schulung oder zumindest in regionaler Nähe. Eine Beobachtung, die gute Gründe hat. Aus der Perspektive von Arbeitgebern heißt dies, Zeit und Fahrtkosten sollen sich rechnen und die Mitarbeitenden sollen zu diesem oder jenem Thema zielgerichtet „geschult“ werden. Aus der von Mitarbeitenden bedeutet es, sie sind weg von zu Hause und ihrem Arbeitsplatz, zwar wenig gebunden, aber mit Unbehagen schauen sie voraus auf die Nacharbeit. Und, wer familiär gebunden ist, kommt mangels fehlender Betreuung schnell an Grenzen.

Dafür gibt es Abhilfe. Dank eines wachsenden eLearning-Marktes lassen sich viele dieser Probleme lösen. Fortbildung direkt vom PC am Arbeitsplatz, oft nebenbei bei laufendem Betrieb, mit oder ohne Klienten. Gut verbunden mit dem virtuellen Tagungshaus, auch am Abend und Wochenende, vom heimatlichen Wohn- oder Arbeitszimmer. Ein Alptraum oder die Chance selbstbestimmten Arbeitens, sogar vom Strand in Bali, wie ich es in einem Online-Kurs von Teilnehmenden durchaus positiv erlebt habe. Anregende Umgebungen ermöglichen neue Perspektiven. Zeit lässt sich nutzen und wer hier zu einem Entweder-Oder neigt, übersieht die Chancen in den Risiken. Ich kann es gut nachvollziehen, wenn Teilnehmende einer Fortbildung die Zeit auskaufen wollen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren hat die Taktung enorm zugenommen. Es geht um Lebenszeit, aber auch um Lebensqualität. Die dabei aufgehobene Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit, zwischen Dienstort und Privatem macht vieles möglich und schafft zugleich neue Herausforderungen.
Wie der Geist aus der Flasche eröffnet die Online-Mobilität ungeahnte Möglichkeiten. Der Wunsch nach Omnipräsenz hat ein Handwerkszeug bekommen. Aber auch die tatsächlich auf sich genommene Reise an einen anderen Fortbildungsort garantiert nicht automatisch (m)ein ungeteiltes Dasein. Die Gedanken sind frei. Das galt immer schon und die Frage, ob ich auch tatsächlich angekommen bin, ist nicht neu. Nur die Freiheit, ungeteilt weg sein zu dürfen, muss heute härter erkämpft werden. Der Zugriff auf meine Aufmerksamkeit ist technisch viel zu leicht und braucht um so mehr meine Disziplin, ganz im Sinne meiner Freiheit, die ich mir nehme hier und jetzt, für mich und für andere.

Horizonterweiterung

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Autorinnen und Autoren

  • Frank Beckmann, Darmstadt
    Soziologe

  • Dr. Karl-Heinrich Bieritz (gest. 2011)
    ehem. Professor an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald

  • Rainer Brandt, Josefstal
    Pfarrer und Studienleiter des Studienzentrums

  • Dr. Karlheinz Geißler, München
    Professor und Buchautor

  • Dr. Hans-Martin Gutmann, Hamburg
    Professor an der Universität Hamburg, Evang. Theologie

  • Dr. Andreas v. Heyl, Neuendettelsau
    Privatdozent für Praktische Theologie an der Augustana-Hochschule

  • Jakob Hoffmann, Bad Nauheim
    Medienwissenschaftler

  • Horand Knaup, Nairobi
    Journalist

  • Dorothee Land, Magdeburg
    Landesjugendpfarrerin

  • Dr. Andreas Lange, Weingarten
    Professor

  • Heidemarie Langer, Hamburg
    Theologin

  • Björn-Uwe Rahlwes, Frankfurt
    Pfarrer

  • Dr. Jürgen Rinderspacher, Münster
    Institut für Ethik und Sozialwissenschaften

  • Dr. Günter Ruddat, Bochum
    Professor für praktische Theologie

  • Christiane Thiel, Leipzig
    Pfarrerin

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