das baugerüst 2/20

Höher, schneller, weiter

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Inhalt


  • thema

    Annika Falk-Claußen/Bernd Wildermuth: Ausgebremst
     

    Wolfgang Grodd: Jugendlicher Stress und das emotionale Gehirn. Über Stressoren, die uns das Leben schwer machen

    Matthias Völcker: #Identität #vernetzt #beschleunigt. Eine Annäherung

  • hintergrund

    Stephan Kupferschmid: Depressionen im Kindes- und Jugendalter

    Holger Lemme: Generation Zeit

    Henrik Struve/Saskia von Münster: Faszination Rekord

    Annika Gramoll: „Höher, schneller, weiter” in der digitalen Welt

  • Jule Bosch: Mehr Neugier, bitte! Über Zukunftsoptimismus in Zeiten radikaler Veränderung

    Ursula Taplik: Lieber Fels in der Brandung als Hamster im Rad

    Michael Freitag: Höher – und das möglichst schnell

  • standpunkt

    Michael Seidel: Zwischen Aus- und Abgrenzung. Bilden Evangelische Jugendverbände durch ihre verbandliche Bildungsarbeit Eliten aus?

  • gespräch

    „Wir müssen Kinder wieder als Kinder sehen und erleben, ein Gespür für Kinder zu haben.“ Ein Gespräch mit dem Kinder und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff über den steigenden Druck auf Kinder und Eltern, die Bedeutung von digitalfreien Zonen und warum man öfter mal in den Wald gehen sollte.

  • forum

    Clemens Schlosser/Martin Schmid: Pimp my Quali

    Anja Keyser: Top fit for Job. Berufsorientierungsseminare für Jugendliche

    Hanna-Lena Neuser: Ideen für stärkere Demokratie. Junge Akademie in Frankfurt

    Frederike Faß: Begabung ist mehr. Kompetenzen in der Begabtenf.rderung

    Sebastian Heilmann/Laura Höfling: Tiefer, langsamer, näher statt höher, schneller, weiter. Freizeit zum Entschleunigen

    Stefan Meier: Glaube auf Youtube

  • Buch- und Materialhinweise

  • Autorinnen und Autoren

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Annika Falk-Claußen/Bernd Wildermuth: Ausgebremst

Schritte zählen und Kalorien berechnen, um fitter, schlanker und schöner zu werden – per Armband und App ist das einfacher denn je. Die Selbstoptimierung ist zum gesellschaftlichen Leitbild geworden, der Sport liefert dafür die Folien und Bilder. Kinder und Jugendliche eifern dem Trend nach. Das ist eine bedenkliche Entwicklung.

Vor einiger Zeit interviewte Wolf-Dieter Poschmann einen Athleten, der in seiner Disziplin gerade alles gewonnen hatte: Olympia, Weltcup und Weltmeisterschaft. Poschmann fragte ihn: „Wie wollen Sie das im nächsten Jahr noch toppen?“ Diese paradoxe Frage an einen „Alles-Gewinner“ bringt auf den Punkt, worum unsere Leistungsgesellschaft kreist: immer besser, immer mehr – höher, schneller, weiter! Das große gesellschaftliche Credo ist die permanente Steigerung. Es darf kein letztes Ziel, keinen Endpunkt geben. Poschmann sagte nicht: „Jetzt, da Sie alles gewonnen haben, könnten Sie doch eigentlich aufhören oder es ruhiger angehen lassen.“ So als sei es die Aufgabe des Athleten, dafür zu sorgen, dass es zumindest theoretisch im nächsten Jahr eine Steigerung geben könne. Die Leistungsgesellschaft gerät ausgerechnet im High-End-Bereich ins Straucheln und führt uns ihre Absurdität vor Augen: Wer alles gewinnt und sämtliche Rekorde bricht, wird zum Spielverderber. Der Sport ist zur Metapher für den Selbstoptimierungs-Trend geworden.

Durch den Coronavirus wurde unsere Gesellschaft auf noch nie dagewesene Weise ausgebremst. Ein „Höher – schneller – weiter” war in vielen Bereichen nicht mehr möglich. Auch die evangelische Jugendarbeit wurde ausgebremst, Einrichtungen und Institutionen bangen um ihre Existenz, Projekte fürchten den Verlust von Fördermitteln, Mitarbeitende haben Angst um ihre Jobs. Zwar hat die EJ diese besondere Situation in vielen Bereichen als Chance begriffen, neue Kommunikationswege zu gehen, neue Wege zu testen, um die Gemeinschaft weiter zu leben. Dennoch weiß niemand, wie diese Krise unsere Gesellschaft langfristig verändern wird.

Und der Druck auf Kinder und Jugendliche, der schon vorher groß war, wurde nicht kleiner. Sie durften viele Wochen nicht zur Schule gehen, ihre Freund*innen nicht treffen, bangten um Schulabschlüsse oder das Erreichen des Klassenzieles. Dazu kamen Sorgen und Nöte der Eltern, die Kinder gleich welchen Alters spüren. Wie sich Kinder in den vergangenen Jahrzehnten –vor „Covid-19” – verändert haben, schildert der Kinderpsychiater Michael Winterhoff im Interview ganz drastisch. Vor der Coronakrise hatte man den Eindruck: Es geht in unserer Gesellschaft nicht mehr um das gute Leben, sondern um das bessere Leben. Durch die Krise haben sich viele wieder darauf besinnt, was die wesentlichen Dinge und Fragen in unserem Leben sind. Wir mussten lernen, dass Planbarkeit und Machbarkeit ihre Grenzen hat, wie unser langjähriges Redaktionsmitglied Michael Freitag in einer Predigt schreibt, mit der wir auf die aktuelle Situation eingehen wollen. Ein besonderes Format im „baugerüst”, das zum Nachdenken anregen soll.

Das Heft haben wir geplant, bevor von „Covid-19” überhaupt einer gelesen hat. So sind auch fast alle Beiträge vor der Krise entstanden. Doch passen die Themen gut in die Zeit. Denn Depressionen im Kindes- und Jugendalter, von denen Stephan Kupferschmid schreibt, könnten durch die Krise weiter zunehmen. Durch Homeschooling, Videokonferenzen im haupt- sowie ehrenamtlichem Bereich haben alle irgendwie die Chancen und Risiken der Digitalisierung erlebt, die mehrere Autor*innen in ihren Beiträgen thematisieren.

Wir sind in dieser Welt ein Stück weit gezwungenermaßen zur Ruhe gekommen. Meditation, Yoga, Achtsamkeitsseminare boomen seit Längerem. Menschen müssen sich darauf besinnen, wieder im Gleichgewicht zu sein. Unsere Autorin Ursula Taplik ruft in ihrem Beitrag dazu auf, sich mehr kleine Auszeiten zu schaffen. In diesem Sinne hoffen wir, dass Sie die Ruhe zur Lektüre unserses neuen Heftes finden. Bleiben Sie gesund!

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Autorinnen und Autoren

 

Jule Bosch, Frankfurt
Freie Beraterin, Speakerin, Coach

Friederike Faß, Schwerte
Diplom-Pädagogin, Leiterin des Evangelischen Studienwerks

Michael Freitag, Hannover
Pastor der Hoffnungsgemeinde Barsinghausen-Kirchdorf

Annika Gramoll, Mainz
Erziehungswissenschaftlerin, Fachreferentin für Jugendpolitische Bildung am Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung (ZGV) der EKHN

Dr. Wolfgang Grodd, Tübingen
Emeritierter Professor für Neuroradiologe an der Universität Tübingen, am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik tätig

Sebastian Heilmann, Nürnberg
Diakon, Referent für Konzeption und Innovation im Amt für Jugendarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Laura Höfling, Aschaffenburg
Pädagogin und ehrenamtliche Jugendleiterin der EJ Untermain

Anja Keyser, Lautertal
Jugendbildungsreferentin und Leiterin der Evangelischen Jugendbildungsstätte Neukirchen (in Bayern)

Dr. med. Stephan Kupferschmid, Zürich
Chefarzt Psychatrie für Jugendliche und junge Erwachsene an der Integrierten Psychiatrie Winterthur-Zürcher Unterland (ipw)

Holger Lemme, Neudietendorf
Studienleiter für Arbeit und Wirtschaft an der Evangelischen Akademie Thüringen

Stefan Meier, Ludwigsburg
Angehender Diakon, Student an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg, Filmemacher

Saskia von Münster, Erlangen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Praktischen Theologie und Sportpädagogik an der Universität Erlangen

Hanna-Lena Neuser, Frankfurt
Studienleiterin Europa und Jugend bei der Evangelischen Akademie Frankfurt

Clemens Schlosser, Nürnberg
Landessekretär für Erlebnispädagogik und Teenager (Schwerpunkt Jungs) beim CVJM-Landesverband Bayern

Martin Schmid, Nürnberg
Landessekretär für Vereinsbegleitung beim CVJM-Landesverband Bayern

Michael Seidel, Neudietendorf
Referent Jugendpolitik Thüringen beim Bund evangelischer Jugend in Mitteldeutschland (BEJM)

Henrik Struve, Stuttgart
Landesjugendreferent für Sport und ErlebnispКdagogik im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW)

Ursula Taplik, Darmstadt
Gesundheits-Coach und Systematische Beraterin

Dr. Matthias Völcker, Göttingen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen

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