das baugerüst 1/05 - Werte

Inhalt

Wolfgang Noack: Hochwertig. Einführung in das Heft

  • WERTE SUCHEN
    Arne Manzeschke: Werte gesucht. Nachdenken über Werte
    Imbke Behnken: Pragmatische Ordnungshüter und effiziente Gelegenheitsjäger. Alles ist möglich und nichts ist gewiss. Deutschlands erste Jugendgeneration im 21. Jahrhundert
    Albrecht Schöll: Wie kommen Jugendliche zu Werten? Wie kommen die Werte zu den Jugendlichen?
  • WERTEWANDEL
    Ferdinand Rohrhirsch: Wehe dem, den Viva liebt. Jugendliche zwischen Orientierungssuche, Wertewandel und Werbewirkungsforschung
    Werte schaffen
    Ronald Uden/ Till Krause: Soaps, Talks und Superstars. Der Wertehimmel Jugendlicher im Unterhaltungsfernsehen
    Horst W. Opaschowski: Allianz für Werte. Der soziale Kitt von morgen
  • Werteentwicklung
    Johano Strasser: Deutschsein heißt...
  • Sonderteil FREIWILLIGE SOZIALE ARBEIT
    Thomas Rauschenbach: Das Freiwillige Soziale Jahr - ein Zukunftsprojekt in der Jugendarbeit?
    Heiner Keupp: Eine neue Kultur der Freiwilligkeit braucht neue Gelegenheitsstrukturen
    Jugendliche wollen in Projekten mitarbeiten. Gespräch mit Ulrich Beck
    Renate Schmidt: Freiwilligkeit kennt keine Altersgrenzen
    Roland Becker-Lenz:
    Gemeinwohlorientiertes Engagement im Freiwilligen Sozialen Jahr
    Hannah Rückert: Ein Jahr zwischen Kindergarten und Jugengruppe

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Arne Manzeschke: Werte gesucht

Werte sind überall zu finden
Es war Mitte November, als ich diesen Artikel schrieb. Vor wenigen Tagen ist der niederländische Filmemacher Theo van Gogh von einem Muslim auf offener Straße abgeschlachtet worden. Danach brennen Moscheen und Kirchen in den Niederlanden. Die Angst greift auch auf Deutschland über. Hier wird jetzt vermehrt die Meinung geäußert, es hätten sich unerwünschte Parallelgesellschaften gebildet; die hier lebenden Ausländer (gemeint sind: die Muslime) müssten die deutsche Sprache besser lernen und ein Bekenntnis zu den Grundwerten unserer europäischen Gesellschaft und Kultur ablegen. Auf allen Kanälen im Radio und Fernsehen schallt mir das Wort Wert in den verschiedenen Kombinationen entgegen: Wertegemeinschaft, kulturelle Leitwerte, Grundwerte ... Es wird eine verstärkte Rückbesinnung auf die eigenen Werte gefordert - anscheinend sind auch die hier Lebenden und kulturell Beheimateten nicht so ganz unverbrüchlich auf den westlichen Wertekanon eingeschworen.
Die Wertedebatten, die angesichts der kulturellen Verunsicherung und der gar nicht mehr so unkonkreten Angst vor einem Kampf der Kulturen aufblühen, reichen in ihren aktuellen Bezügen auf die Ereignisse am 11. September in New York und Washington zurück, auf den Terroranschlag in Madrid im März 2004 und auf den Mord in Amsterdam. Das Wertesystem des Islam sei nicht kompatibel mit dem des christlichen Abendlandes, deshalb komme es zu solchen Gewalttaten. Wenn es um Werte geht, dann geht es anscheinend um kulturelle, ästhetische oder moralische Differenzen, die in einer pluralistischen Gesellschaft nicht mal eben tolerant ausbalanciert werden könnten. Mit Werten verbinden sich offenbar individuelle und kollektive Einstellungen und Symbole, die hoch empfindlich sind. Entsprechend sorgsam muss sich der Umgang mit ihnen gestalten.
Aber was sind Werte überhaupt? Jenseits der emotional hoch besetzten Wertedebatte hat sich der Wertebegriff auf eine sehr profane Weise in unserem sprachlichen Alltag eingenistet. Werte sind fast überall zu finden: "Weil ich mir das wert bin", lautet in einem Werbespot die Begründung für den Kauf eines bestimmten Haarwaschmittels. Mit dem Kauf von Produkt X können wir angeblich "Werte" schaffen. Wenn wir uns fragen, ob wir noch länger an einer Freundschaft festhalten wollen, dann wird das leicht zu einer Wertfrage: Ist es das noch wert? Der Wertebegriff schillert und es ist nicht immer klar, was mit ihm eigentlich ausgesagt werden soll. Geht es um Werturteile, mit denen wir uns in der Welt der vielen Optionen eine Wertehierarchie aufbauen? Verweisen die Werte auf einen überindividuellen, vielleicht sogar transzendenten Wertehorizont? Sind Werte so etwas wie Preise im Bereich der nicht materiellen Dinge, die uns den Maßstab für eine Kosten-Nutzen-Rechnung liefern? Wie weit reicht die Orientierungskraft und Verbindlichkeit von so genannten Grund- oder Leitwerten (Stichwort:Leitkultur), auf die wir in den aktuellen Debatten immer wieder eingeschworen werden? - Fragen die nicht eben einfach zu beantworten sind. Im Folgenden will ich dem Wertebegriff auf die Spur kommen und dazu einige soziologische, ökonomische und theologische Perspektiven auf ihn eröffnen.

Werte als soziologisches Phänomen
Werte erscheinen als Güter, Maßstäbe oder Regeln, die einem einzelnen Menschen oder auch einer Gruppe helfen, ihre Optionen nach ihrer Bedeutsamkeit zu hierarchisieren und so entscheidungs- und handlungsfähig zu werden. (1) Werte beruhen auf menschlichen Setzungen und sind kulturell und historisch variabel - sie haben keinen Ewigkeitscharakter, sondern unterliegen dem Wandel der Einstellungen, Moden und kulturellen Setzungen. Die Wertwandelforschung hat sich eigens dem Thema verschrieben, wie Werte entstehen, an Bedeutung verlieren, oder wie eine Gesellschaft mit dem Wandel der Werte umgeht. (2) Eine nahezu unbestrittene These lautet, die Gesellschaften der Industrieländer hätten sich nach dem Zweiten Weltkrieg und den Wirtschaftswunderjahren nicht-materiellen Werten zugewandt, nachdem die materiellen Bedürfnisse weitgehend befriedigt worden seien. (3) Die Werteorientierung der Menschen verschiebe sich von einer Pflicht- und Akzeptanzkultur zu einer Selbstverwirklichungskultur. Enttraditionalisierung und Individualisierung ermöglichten den Menschen sehr viel mehr als in vergangenen Generationen ihr Leben selbst zu entwerfen und zu gestalten. Darin bestehe ein großer Freiheitsgewinn - allerdings auch die Verantwortung und Notwendigkeit, das "eigene Leben" zu konstruieren. (4)
Einige Beispiele: Nationalstolz war in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein positiver, hoch emotional besetzter Wert; nach den Jahren des Faschismus haben wir da ein eher nüchternes Verhältnis gewonnen. Drogenkonsum ist in den 60-80er Jahren sehr stark kriminalisiert worden, gegenwärtig wird der Entkriminalisierung und Therapie der Drogensüchtigen ein höherer Wert eingeräumt als ihrer Ausgrenzung und Bestrafung. Religion und regelmäßiger Gottesdienst waren früher ein wichtiger Wert für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft. Dieser Wert wird heute von deutlich weniger Menschen geteilt und durch andere Wertorientierungen wie Wirtschaftswachstum (Maschinenlaufzeiten und Ladenöffnungen am Sonntag) individuelle Freizeitgestaltung (Fußballspiele oder Faulenzen am Sonntagmorgen, Freizeitindustrie) zunehmend verdrängt. Gesellschaftswandel induziert einen Wertewandel und ein Wandel der Werte verändert die Gesellschaft - auf diese Dialektik lässt sich das Verhältnis von Werten und Gesellschaft bringen. (5) Wertewandel wird allerdings verschieden interpretiert. Während die einen darin vor allem Werteverlust und die Entwicklung zu einer egomanen Ellenbogengesellschaft erkennen, verbuchen die anderen große Freiheitsgewinne und sehen die Chancen zur Entwicklung einer pluralistischen, individualisierten und ästhetisierten Gesellschaft.

Philosophische Erwägungen zum Thema Werte
Werte werden schnell mit moralischen Einstellungen verbunden, aber das trifft nur für einen Teil von Werturteilen zu. Es lohnt einen genaueren Blick, worauf Werte und Werturteile sich beziehen. Es ist wichtig, die Ebenen zu unterscheiden, sonst geraten wir in unseren Wertedebatten in ein heilloses Durcheinander. Was also sind Werte? Sie bieten einen Maßstab für Urteile (Bewertungen) in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens. So habe ich zum Beispiel eine Vorstellung davon, wie gutes Benehmen am Tisch in Gesellschaft aussieht. Ich habe Vorstellungen davon, wie ein faires Fußballspiel abläuft, oder teile (schon aus Selbstschutz) die Regel, dass wir in Deutschland auf der Straße den Rechtsverkehr einhalten. Im Hintergrund meiner Urteile stehen im Wesentlichen kollektive Wertvorstellungen, die auf Konventionen (für den Straßenverkehr, die Etikette oder den Sport) beruhen. Werturteile dieser Art sind nicht moralischer Natur und doch für alle (weitgehend) verbindlich.
Es gibt im Bereich der Ästhetik sehr individuelle Wertvorstellungen: Zum Beispiel sprechen mich die Bilder von Kandinsky stärker an als die von Turner; Jazz höre ich lieber als volkstümliche Musik. Aber ich kann und will diese sehr persönlichen Vorlieben (Werturteile) nicht allgemein verbindlich machen, weder im Sinne einer Regel noch einer Moral.
Es gibt moralische Werte. Deren Eigenschaft ist es, dass sie verallgemeinerbar sind und unbedingt gelten. Die Forderung: "Du sollst nicht töten" ist keine sinnvolle Regel, die man genauso gut auch anders handhaben könnte wie Links- oder Rechtsverkehr - Hauptsache: alle halten sich daran. Sie ist aber auch kein persönliches Geschmacksurteil, dem man mit gleichem Recht die Haltung zur Seite stellen könnte, dass Töten doch aber ein hoch interessanter existenzieller Akt sei. Die moralische Forderung "Du sollst nicht töten" basiert auf dem Werturteil, dass es in jedem Fall erstrebenswert ist, das Leben eines Menschen vor der unfreiwilligen Beendigung durch andere zu schützen. Solchen Schutz wird jeder Mensch nicht nur für sich in Anspruch nehmen, sondern vernünftigerweise auch allen anderen zubilligen.
Man könnte auch so etwas wie theologische Werte konstruieren, die weder den Rang eines moralischen Urteils haben noch den Charakter einer Konvention oder eines Geschmacksurteils: Wenn etwa evangelische Christen die Rechtfertigung allein aus Gnaden als zentrales Merkmal ihres Glaubens betonen, dann ist damit eine Erfahrung und eine Einstellung zum Leben verbunden, die gerade nicht auf die Befolgung einer moralischen Forderung zielt, sondern den Menschen jenseits von Moral, menschlichen Regeln und Urteilen in ein besonderes Verhältnis zu Gott und zu dieser Welt setzt. Der "Wert" besteht gerade darin, eine Freiheit im Glauben und Handeln zu gewinnen, die sich aus dem Handeln und Urteilen eines anderen, nämlich Gottes, für mich ergibt. Das kann unter Umständen bedeuten, dass Christenmenschen sich diesen Wert etwas kosten lassen. Martin Luther dichtete: »Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: lass fahren dahin, sie haben's kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben« (EG 362,4). Vermutlich wird man hinsichtlich dieser Wertvorstellung einen Wertewandel in der evangelischen Christenheit feststellen können - und doch, denke ich, stellen diese theologischen Werte eine eigene Kategorie unter den verschiedenen Werturteilen dar.

Ökonomische Erwägungen
Schließlich gibt es natürlich ökonomische Werte. Natürlich, weil der Wertebegriff zunächst ein ökonomischer war und aus der Nationalökonomie des 19. Jahrhunderts ausgewandert ist in die Bereiche des ästhetischen, moralischen und konventionsbezogenen Urteilens. Damit gab es dann überall Werte, nicht nur dort, wo der Wert einer Sache an ihrem Preis abgelesen werden konnte. Der Wertmesser in der Ökonomie ist das Geld, das auf sehr zuverlässige und für alle leicht nachvollziehbare Weise den Wert einer Sache, aber auch eines Menschen anzeigt. "Hast Du was (nämlich Geld), dann bist Du was", sagt der Volksmund und deutet schon an, dass der Geltungsbereich weit über das Ökonomische hinausreicht und heute in praktisch jeder Hinsicht anzeigt, was gilt.
Werte bieten also Maßstäbe für das Urteilen und Entscheiden in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens: Geschmack, Konvention, Moral, Glaube, Wirtschaft. Anhand meiner Wertmaßstäbe kann ich mich leichter entscheiden, welche CD ich kaufe, ob ich am Wochenende meine Eltern besuche oder einen längst versprochenen Artikel fertig schreibe. Anhand des Wertes, den ich einer Sache oder einer Handlung beimesse, kann ich mir gewissermaßen ausrechnen, welche Sache oder Handlung für mich in einem akzeptablen Verhältnis von Aufwand und Nutzen steht. Das gilt für den individuellen Bereich wie für den der großen Gruppe. Werte liefern einer Gesellschaft Maßstäbe und Urteilsformen, um sich darauf zu verständigen, was in dieser Gesellschaft gelten soll. Die aktuellen Wertedebatten, die vor dem Hintergrund der `Krise der multikulturellen Gesellschaft` geführt werden, vereinfachen zwar die Problemlage, zeigen gleichwohl, welche zentrale Bedeutung Werten dabei zugemessen wird.
Werte beruhen auf menschlichen Setzungen und sind kulturell und historisch variabel - sie haben keinen Ewigkeitscharakter. Damit bieten sie ein flexibles, gleichwohl tragfähiges Orientierungsinstrument. Doch sollte man ihre Leistungsfähigkeit nicht überschätzen und ihre Herkunft nicht vergessen. Der Begriff stammt aus der Ökonomie (aus der Arbeitswertlehre von Adam Smith (1723-1790) und David Ricardo (1772-1812)) und ist im 19. Jahrhundert über die so genannte Wertphilosophie in die Ethik und die Anthropologie eingewandert. (6) Die Vermutung von Martin Heidegger, dass die Werte lediglich ein "positivistischer Ersatz für das Metaphysische" (7) seien, lässt sich kaum von der Hand weisen. Es ist tatsächlich so, dass im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung ein massiver Umbau der Gesellschaft erfolgte, der die überkommenen Gesellschaftsmuster und Vorstellungen von Moral gründlich über den Haufen geworfen hat. Als dann die Evolutionslehre von Charles Darwin breite Anerkennung fand, erschien die Frage nach dem Sinn des Lebens wissenschaftlich hinfällig geworden zu sein. Für viele bedeutete das den Verlust eines bergenden und orientierenden Weltbildes. Der Rückbezug auf Werte erscheint so betrachtet plausibel und zugleich auch unbefriedigend. Plausibel, weil mit einem emphatischen Wertbegriff zum Ausdruck gebracht werden konnte, dass menschliches Handeln sich an mehr orientiert als dem banalen Kalkül von Kosten und Nutzen oder an Selektionsvorteilen. Unbefriedigend, weil diese Orientierung den Moden und Mehrheiten gesellschaftlichen Wandels unterworfen ist und jederzeit jemand wie Friedrich Nietzsche die »Umwertung aller Werte« fordern kann. Schließlich sind Werte in einer pluralistischen Gesellschaft zunehmend Ausdruck der jeweiligen Präferenzen geworden, die jeder und jede sich selbst setzt und dafür anderen immer weniger eine Begründung schuldet.
Werte verlieren so gesehen ihr emotionales Gewicht, sie werden ökonomischen Preisen immer ähnlicher: sie sind handelbar, bezahlbar und letztlich auch austauschbar, wenn sich ein interessanterer Wert findet. Auf der anderen Seite - gleichsam als Gegengewicht zu dieser Erleichterung - werden Werte stärker aufgeladen. Wertentscheidungen sind danach Entscheidungen, denen ein hoher Ernst und eine gewisse Dramatik eignet. Man denke an den jüngsten Wahlkampf in den USA, der vor allem um Werte geführt wurde, oder an die Wertedebatten in Europa. Werte als pragmatische Orientierungsmuster weisen eine eigentümliche Ambivalenz auf, deren eine Seite pragmatisch und rational erscheint, deren andere Seite hoch emotional wirkt und mehr mit Glauben als mit vernünftigem Abwägen zu tun zu haben scheint. Wie kommt es zu dieser Doppelgesichtigkeit? Hier kommt die Verwurzelung der Werte im Ökonomischen zum Vorschein. Die Geldmünze verfügt über eine Janusköpfigkeit, die in den Werten fortwirkt: Die zwei Seiten der Medaille entsprechen der Doppelwertigkeit des Geldes. Einerseits ist es ein schlichtes Rechen- und Zahlungsmittel, das den Handel vereinfacht und liquide hält. Auf der anderen Seite entfaltet es eine geradezu abgründige Wirkung: Es fordert bedingungsloses Vertrauen in seine Gel(d)tung. Geld funktioniert nur dann, wenn alle, die mit ihm umgehen, daran glauben, dass es funktioniert und gilt. Es verknüpft uns in ein Netz gegenseitiger Abhängigkeiten, das sehr viel komplexer und anonymer ist als in den gewohnten Formen der verwandtschaftlichen oder moralischen Abhängigkeit. Scheinbar sind vor dem Geld alle Menschen und Erwerbsformen gleich und doch schafft das Geld soziale Unterschiede zwischen arm und reich, die weit über die quantitativen Effekte hinausgehen. »Man macht aus deutschen Eichen keine Galgen für die Reichen«, wusste schon Heinrich Heine und verwies auf die »feinen Unterschiede« (8) zwischen Arm und Reich vor dem Gesetz. Ob Geld ehrlich erworben oder in dubiosen Kanälen gewaschen worden ist, interessiert bei der Verwendung des Geldes nicht. Geld setzt sich über andere Wertsetzungen (etwa die, dass Geschäfte ökonomisch und moralisch einwandfrei verlaufen sollten) hinweg und lässt nur die eigenen Wertigkeiten gelten.

Theologisch-ethische Erwägungen
Das Wertesystem des Geldes greift immer weiter in die Bereiche unseres sozialen, politischen, juristischen und kulturellen/religiösen Lebens ein. Scheinbar lässt sich alles mit Geld bewerten und kaufen. Geld wird im Zuge von Ökonomisierungsvorgängen zum zentralen Maßstab in sozialen, politischen, juristischen und kulturellen/religiösen Entscheidungen. Das ökonomische Werturteil scheint alle anderen Werturteile zu überformen und auf eine ökonomische, geldorientierte Logik umzulenken. Was die Soziologie schon länger weiß, dass nämlich Werte davon abhängen, was wir uns ökonomisch leisten können und ihrerseits wieder die Lebensführung und die Ökonomie des Einzelnen als auch die Kultur und die Volkswirtschaft im Ganzen beeinflussen, (9) das sollte auch der Theologie zu denken geben. Der Jurist Carl Schmitt hat vor fast drei Jahrzehnten von einer "Tyrannei der Werte" gesprochen, der wir uns tunlichst entziehen sollten, wenn wir noch etwas anderes als ökonomisches Kalkül zum Ausdruck bringen wollten. Der Theologe Eberhard Jüngel hat darauf Bezug nehmend für eine »Unterbrechung der Wertedebatte« plädiert, weil sich Glaube und Auftrag der Kirche nicht in Werten artikulieren ließe. (10) Mittlerweile hat die Ökonomisierung unserer Gesellschaft weitere Fortschritte gemacht und fast alles hat seinen Wert im Sinne eines Preises, der auf dem allgemeinen Markt der Möglichkeiten zu z nd seines diffusen Bezugs zum christlichen Glauben erscheint es mir sinnvoll, für den Bereich des Glaubens und der Kirche Abstand vom Wertebegriff zu nehmen und nach einer neuen (oder möglicherweise sehr alten) und angemesseneren Sprache zu suchen, um das uns Wichtige auszudrücken. Ob die "alten" Begriffe wie "Gut/Güter", "Tugend" oder "Gebot" in jedem Fall glücklicher sind, bezweifle ich zwar.  Sie hätten zumindest den Vorteil, dass sie, anders als der Wertebegriff, genügend substanzielle Kraft haben, um nicht von einer auf alles und jeden ausgreifenden ökonomischen Denkweise in Beschlag genommen zu werden. Und hier, in der Sprache, müsste die Kritik an einer allgemeinen Verwertung von Mensch und Welt beginnen.

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Ronald Uden / Till Krause: Soaps, Talks und Superstars

Der Wertehimmel Jugendlicher im Unterhaltungsfernsehen

Affektfernsehen und Talkshows
Sowohl bei öffentlich-rechtlichen als auch bei privaten Fernsehanstalten haben sich in den letzten Jahren Sendungen in den Vordergrund der Fernsehunterhaltung junger Menschen geschoben, die dem Genre Affektfernsehen zuzurechnen sind. Damit werden Daily-Talks, Spiel- und Beziehungsshows, Suchsendungen, Reality-TV, Affekt- und Konfro-Talks kategorisiert, die in allen Fernsehsendern eine weite Verbreitung gefunden haben. Bereits im Jahre 1998 liefen in den Hauptsendern des deutschen Fernsehens (ARD, ZDF, RTL, SAT 1, PRO SIEBEN und die Dritten Programme), die zusammen ca. 80% der Marktanteile auf sich vereinigen, 65 wöchentliche oder tägliche Talk-Shows, wobei die öffentlich-rechtlichen Sender die größten Anbieter dieses Genres waren. Diese Shows sind aus Sicht der Produzenten vor  allen Dingen billig und lukrativ. Produktionskosten zwischen 20.000 und 100.000 Euro stehen Werbeeinnahmen in ca. acht- bis zehnfacher Höhe bei einer durchschnittlichen Reichweite von ein bis drei Millionen Zuschauern gegenüber. Auch die in kirchlichen Kreisen kontrovers diskutierten langjährig ausgestrahlten Affekt-Talks "Fliege" und die Spiel- und Beziehungsshow > Erste wisseie u lebe um nschaftliche Untersuchungen zum Affektfernsehen haben gezeigt, dass die große Verbreitung dieser Gattung von einer gelungenen Verbindung zwischen Spiel-, Spannungs- und Informationselementen abhängt und nicht ausschließlich von der effektheischenden Präsentation peinlicher Intimitäten. In Talkshows wird über alles und jedes gesprochen. Im Mittelpunkt steht der Durchschnittsbürger, der vor einem Millionenpublikum sein persönliches Schicksal ausbreiten, seine Vorlieben oder Probleme erzählen und sich selber möglichst originell oder extrem inszenieren kann. Nicht das informative Gespräch steht im Vordergrund, sondern das Format mit vorgegebenen Themen aus den Bereichen Gesundheit, Familie, Schönheit, Konsum und die damit verbundenen alltäglichen und banalen Probleme: "Wozu schuften" Ich bin lieber arbeitslos." - "Hilfe, mein Mann kriegt Brüste!" - "Bettgeflüster, brisante Details" oder "Arabellas dickste Gäste - heute zeigen sie alles" sind typische Themen aus diesem Bereich. Ein Wertediskurs findet dabei nicht nur in den Sendungen statt, sondern implizit auch durch die Rezeption dieser Beiträge bei jugendlichen Zuschauern in Zustimmung oder Distanzierung von den dargestellten Äußerungen. Auch wenn der Boom der Talkshows sich mittlerweile rückläufig entwickelt und durch andere Formate wie die Gerichtsshows verdrängt wird, sind im täglichen Nachmittagsprogramm noch immer ca. zehn Sendungen

Serien und Sitcoms
Soap Operas, Serien und Sitcoms (Situations-Komödien) wie "Unter uns", "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Marienhof", "Lindenstraße", "Sex and the City" und andere gehören seit Jahren zu den beliebtesten Unterhaltungsangeboten mit den höchsten Programmbindungsraten überhaupt. Sie sprechen als Kernzielgruppe die 14- bis 29-jährigen überwiegend weiblichen Zuschauerinnen an. Soaps haben sich auf diese Weise vom früher klassischen Hausfrauenfernsehen zu Sendungen entwickelt, die im Segment junger Menschen einen wichtigen Bestandteil ihrer Wertebildung erkennen lassen.
In einer Studie des Rheingold-Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen wurde belegt, dass Jugendliche häufig gerade Vorabend-Soaps nutzen, um die Verspannungen des Tages wie in einem "emotionalen Whirlpool" abzustreifen. Damit wird die klassische, eskapistische Funktion der Medienunterhaltung dokumentiert. Zum eigenen Alltag und der Welt des Zwangs und Nutzens wird eine Gegenwelt aufgebaut, in die man sich hineinträumen und -fühle n ka nn. D iese Gegenwelt dient allerdings nicht automatisch der Flucht vor dem Alltag, sondern der hilfreichen Distanz, die ebenfalls zur Problembewältigung notwendig ist. Eine bunte Mischung kleiner Dramatisierungs-Wellen regt das Emotionspotenzial in seiner ganzen Alltagsfülle an. Jedes Thema wird angetippt, nichts konsequent abgearbeitet oder zu Ende geführt. Alles plätschert unverbindlich dahin, filmische Stringenz ist nicht gefragt. So werden im vertrauten und unverbindlichen Rahmen der Soap Opera eigene Schicksalsfragen bewegt.

Darüber hinaus bietet die Rezeption von Serien für jugendliche Zuschauer vielfältige Möglichkeiten der Identifikation mit Vorbildern oder Anti-Vorbildern, aber auch mit Situationen oder wünschenswerten Lebensumständen, die in einem ständigen Abgleich mit der eigenen Realität in Beziehung zur eigenen Identitätsfindung gesetzt werden. Als Gesprächsstoff für Alltagskommunikation erfüllen Serien die wichtige Funktion, Zugehörigkeiten zu Rezipientenkreisen und sozialen Gruppen zu erfahren und zu regeln. Weniger der Voyeurismus oder die Sensationsgier fesseln den jugendlichen Zuschauer, sondern das vereinfachte, direkte Alltagsleben, die heile und überschaubare Welt, die seine persönliche komplexe und von Leistung und Zweck geregelte Alltagswelt wohltuend kontrastiert.

Umbruch im Medienmarkt
Wirtschaftliche und technologische Umbrüche haben den Medienmarkt in den letzten Jahren entscheidend verändert. Das lässt sich an Zusammenbrüchen von Medienunternehmen ablesen, am Rückgang des Anzeigengeschäfts, sinkenden Werbeeinnahmen und permanenten Sparzwängen. Gleichzeitig ermöglichten technologische Veränderungen bei Speicherkapazitäten, Datenkompression, Digitalisierung und Datenübertragung eine quantensprungähnliche Steigerung von Qualität und Quantität massenmedialer Kommunikation. So ist es nicht verwunderlich, dass Fernsehproduktionsfirmen die Rationalisierung perfektioniert haben. Man beschränkt sich immer mehr auf wenige lukrative Genres wie Arztserien, Comedy-Shows, Daily-Talks, Gerichtsshows und Personality-Talks. Dabei setzt sich ein neues Geschäftsmodell durch, das Kostenreduzierungen in großem Umfang verspricht. Diese sollen durch einen internationalen Formathandel mit Distributoren in 50 bis 80 Ländern angestrebt werden, durch Beteiligung der Zuschauer am kostenpflichtigen Telefonvoting und durch eine neuartige Verknüpfung von Fernsehproduktion und Popmusikbranche in den Casting-Shows. Weltweit haben europäische Firmen wie Endemol/Telefonica und die Bertelsmann-Tochter Fremantle Media mittlerweile die Spitzenpositionen in diesem Geschäft übernommen.

Das Format "Pop Idols" stellt dabei das bisher ausgereifteste Kult-Marketing-Produkt dar. Sein Erfinder Simon Fuller, Mitbegründer des New-Pop und Manager einer der erfolgreichsten Mädchenbands, der Spice Girls, setzte auf die Verbindung von Popmusik, Fernsehunterhaltung und Spielshow mit Werten wie: Girl-Power, Modestilen und der konsequenten Ansprache von Jugendlichen. Das Zusammenspiel von Moderatoren, Plattenfirmen, dem professionellen Know-How der Musikvermarktung, Produzenten, Sendern und einem ausgefeilten Merchandising erwies sich als geniale und finanziell erfolgreiche Mischung, die auch die öffentlich-rechtlichen Sender zu mehrfachen Kopien des erfolgreichen Formats veranlassten.
Werte gegenwärtiger Jugendkultur sind wie Musiktrends oder Medienzyklen kurzlebigen Strömungen ausgesetzt. Eine Samplerkultur, die mit einem allgemein gültigen Kanon der Pop-Produktion in Diskotheken oder Musiksendern zufrieden ist, hat die Haltung gegenüber der Popmusik kurzlebig und weniger verbindlich werden lassen. Im Blick auf eine globale Mainstream-Popkultur (wie Tamagotschi, Pokemon, Girlie- oder Boygroups) erscheint die neue Fernsehentwicklung der Casting- bzw. Talentshows lediglich als Teil dieser Popkultur, die Popmusik in Cross-over-Projekten weltweit vermarktet. Die Ansprache des Inszenierungstalents medialer Selbstdarsteller passt dabei zur Lebensästhetik junger Menschen, deren Beschäftigung mit ihrem Gesamtkunstwerk "eigene Biografie" durch die Mediengesellschaft eine besondere Betonung erfährt. Das jugendliche Grundbedürfnis nach Anerkennung und Bedeutung hat sich in den letzten Jahren besonders im Umfeld der Mediengesellschaft zu einem Inszenierungsdrang entwickelt, der speziell in der Öffentlichkeit moderne Formen von Bekenntnissen wie in Casting-Shows hervorbringt, die überwiegend der Selbstinszenierung und Selbstdarstellung dienen.


Spott und Schadenfreude bei Casting-Shows
Casting Shows waren im Jahr 2003 die erfolgreichsten Formate im Unterhaltungsfernsehen junger Menschen. Die Finalshow der ersten Staffel von &Mac226;Deutschland sucht den Superstar' (RTL) am 8. März 2003 verfolgten über 15 Millionen Zuschauer. Die Medien verursachten einen regelrechten Hype um die Kandidaten und bescherten den beteiligten Unternehmen Rekordumsätze durch Plattenverkäufe und Merchandising. Die Wertevermittlung und der Umgang mit der medialen Verantwortung dieses Formats wirft allerdings auch berechtigte Fragen auf, die exemplarisch an der ersten Staffel von &Mac226;Deutschland sucht den Superstar' (DSDS) belegt werden können.
In den Vorrunden machten sich viele Teilnehmer vor einem Millionenpublikum durch offensichtliche Selbstüberschätzung ihres musikalischen Talentes lächerlich und sorgten so für Schadenfreude und Spott - beides Faktoren, die bereits in anderen TV-Formaten (Daily Talks, Container Shows) präsent sind, bei Casting Shows allerdings einen elementaren Reiz in der Rezeption ausmachen. Eine wesentliche Rolle spielte hierbei auch die Jury, die Gesangsdarbietung von besonders schlechter Qualität betont negativ, teilweise beleidigend und verletzend kommentierte. Dass die öffentliche Diffamierung an den Kandidaten nicht spurlos vorbeiging, beschreibt der in der Gesamtwertung drittplazierte Kandidat Daniel Kübl-böck in einem autobiografischen Resümee: "[Jurymitglied Dieter] Bohlen hat mich schon zweimal Kermit, den Frosch genannt. Ich habe nichts dagegen, wenn Bohlen etwas Sachliches über meine Stimme sagt. Aber ich bin nicht Kermit. Schon gar kein Frosch. Bohlen ist groß. Und mächtig. Aber erlaubt es Macht, Menschen zu verletzen?" .

Durch Casting-Shows ist die öffentliche Erniedrigung medial salonfähig geworden. Der Hinweis auf die freiwillige Teilnahme der Kandidaten legitimisiert diese Wertakzeptanz nur oberflächlich. Viele der durchschnittlich 16,5 Jahre alten jugendlichen zu zwei Dritteln weiblichen Teilnehmer wurden durch die Vorgänger-Formate der Casting Shows (Reality Shows, Container Shows), die eine öffentliche Demütigung von Individuen zum Sendeprinzip erhoben haben, medial sozialisiert. Die öffentliche Herabstufung des Anderen führt zu einem Überlegenheitsgefühl beim jugendlichen Rezipienten und ist somit eine wesentliche Motivation für die eigene Teilnahme an Casting Shows. Der Rezipient denkt, er könne es besser als die gedemütigten Kandidaten im Fernsehen. Dies ist möglicherweise ein Grund dafür, dass sich die Bewerberzahl für die zweite Staffel von DSDS trotz der Kenntnis der verletzenden Kommentare der Jury verdoppelt hat.
Problematisch ist bei Casting Shows das Bild vom schnellen Erfolg als gesellschaftlichem Grundwert der schnelllebigen Mediengesellschaft. Ein hochgradig idealisierter Lebens-entwurf wird glorifiziert. Zuschauer wie Teilnehmer entwickeln durch die Darstellung des scheinbar kometenhaften Aufstiegs von Kandidaten in den Star-Himmel ein performatives, vordergründiges Leistungsverständnis. Schon die Bereitschaft, sich selbst zu präsentieren, sich darzustellen und kalkuliert zu inszenieren, wird viel besser und höher bezahlt als jede berufliche Arbeit.


Menschenwürde und Manieren
Kurze und immer wieder neue Zyklen raffinierter Medienunterhaltung wird es weiter für junge Menschen und das gesamte Rezipientenspektrum geben. Die Grenzen von Ästhetik, geistigem oder kulturellem Anspruch und spannender Unterhaltung werden dabei auch in Zukunft immer wieder ausgetestet werden. Die mediale Halbwertszeit neuer Formate scheint sich dabei ständig zu verkürzen. Big Brother gehört längst der Vergangenheit an und Casting Shows sind nicht mehr gefragt. Zuschauer wählen durch Einschaltquoten auch Sendungen ab, weniger aus medienethischer Vernunft als aus schlichter Langeweile. Neben den Bereichen der individuellen Erziehung und der persönlichen Sozialisation junger Menschen werden aber auch weiterhin im Mediensystem wichtige Wertediskurse ausgetragen. Unterhaltungsangebote können in der sozialen Orientierung und individuellen Weltbild- und Wertsuche einen wichtigen Beitrag leisten.

Der Wertediskurs wird nicht durch neue Unterhaltungsformate grundsätzlich desavouiert. Ein Augenmerk muss vielmehr darauf gerichtet werden, wie mit dem einzelnen Menschen, dem Kandidaten, der Mitspielerin, der Sängerin oder den jungen Talenten und ihren Träumen umgegangen wird. Nicht die neuen Formate sind verwerflich, sondern möglicherweise der Umgang mit den Menschen in einzelnen Fällen. Menschenwürde kann durch Geld, Beleidigungen, Erniedrigungen, Geschmacklosigkeiten oder respektlose Sprache missachtet werden. Es ist Zeit, in den Medien Werte wie Stolz, Anstand oder Manieren zu entdecken.

Literatur
Bente, Gary / Bettina Fromm (1997): Affektfernsehen, Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nord-rhein-Westfalen 24, Opladen: Leske und Budrich, 329.
Gleich, Uli (2001): Populäre Unterhaltungsformate im Fernsehen, Media Perspektiven 10/2001, 524-532.
Goebel, Johannes / Christoph Clermont (1999), Die Tugend der Orientierungslosigkeit, Hamburg: Rowohlt.
Grünewald, Stephan (1998): Soaps - der emotionale Whirlpool, agentur.de/magazin/studien/medien/soaps (26.10.2004).
Küblböck, Daniel / Julia Boenisch (2003): Ich lebe meine Töne, München: Limes, 205.
Nieland, Jörg Uwe (2003): Deutschland sucht einen Superstar, in: Mike Friedrichsen, Udo Göttlich (Hrsg.), Diversifikation der Unterhaltungsproduktion, Köln: Halem, 42-60.
Saltzwedel, Johannes (2004): Stars im Kumpelformat, Kultur Spiegel, Heft 2, Februar 2004.
Uden, Ronald (2004): Lust am Bekenntnis - ethische Grenzen der Selbstinszenierung, Lernort Gemeinde 22. Jg./2004, H. 1, 3-7.
Uden, Ronald (2004): Kirche in der Medienwelt, Erlangen: Christliche Publizistik Verlag.

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Friedrich Schweitzer: Welchen Wert hat Religion für Jugendliche?

Oft kommt in dieser Frage eine Enttäuschung - insbesondere von Erwachsenen - zum Ausdruck: Welchen Wert hat Religion noch für heutige Jugendliche? Und welchen Sinn soll es machen, mit Jugendlichen christliche Jugendarbeit zu gestalten?

Zugleich stehen, nicht zuletzt angesichts der gegenwärtigen Bildungsdiskussion, Fragen der Werteerziehung weit oben auf der Tagesordnung. Christliche Angebote sind in dieser Sicht gefragt, weil von ihnen ein wirksamer Beitrag zur Ausbildung oder Übernahme tragfähiger Werte erwartet wird. Der Glaube soll als Grundlage für Werte dienen - das scheint ganz selbstverständlich. Ist aber der christliche Glaube überhaupt recht verstanden, wenn nur nach seiner Funktion als Grundlage gesellschaftlich wünschenswerter Haltungen oder Werte gefragt wird? Geht es beim Glauben nicht um etwas ganz anderes - um Gott und um das Verhältnis des Menschen zu Gott? So einfach ist es also nicht. Deshalb müssen wir uns hier auch mit weiterreichenden Fragen nach dem Verhältnis von Werten und Religion oder Glaube auseinandersetzen. Dabei wird sich zeigen, dass simple Antworten in diesem Themenbereich kaum zu finden sind. Trotzdem ist es hilfreich, zumindest einige Orientierungspunkte zu finden. Denn daraus ergeben sich auch wichtige Konsequenzen für die Praxis der Jugendarbeit.

Religion unwichtig - Ergebnisse von Jugend-Studien
In Jugendstudien wird immer wieder auch gefragt, was heutigen Jugendlichen wichtig ist. Dabei zeigt der Trend für Religion oder Glaube deutlich nach unten. In der 2002 erschienenen Untersuchung "null zoff & voll busy" beispielsweise beschreiben die Befragten (13 - 18 Jahre alt), wofür sie sich stark machen. Weit oben stehen im Urteil der Jugendlichen die eigene Familie (59%), die Ablehnung von Drogen (39%) sowie der Tierschutz (36%) - für die Kirchengemeinde hingegen wollen sich gerade mal 6% stark machen. Ein typisches Ergebnis, wie es auch schon aus früheren Jugend-Studien bekannt ist! Viele schließen aus solchen Antworten, dass heutigen Jugendlichen eben alles andere wichtiger sei als Religion. Aber solche Deutungen bleiben auch dann zu einfach, wenn sie von den sozialwissenschaftlichen Studien selbst unterstützt werden. Denn nur allzu häufig sind solche Studien gerade im Blick auf Religion nicht sehr reflektiert und setzen Religion oder religiöse Aufgeschlossenheit mit der Häufigkeit (oder Seltenheit) des Gottesdienstbesuches gleich. Richtig ist sicher, dass Kirche oder Kirchengemeinde für viele Jugendliche nicht sonderlich attraktiv sind. Dies gilt selbst für solche Jugendliche, die von sich sagen, Religion interessiere sie durchaus.

Religiöses Interesse Jugendlicher ist nicht mit Kirchlichkeit gleichzusetzen. Wer über die religiösen Interessen Jugendlicher etwas erfahren will, muss deshalb von vornherein offener fragen. Religion und Kirche sind für Jugendliche nicht ohne weiteres eng miteinander verbunden. Könnte es nicht sein, dass die Betonung der Familie, die Wertschätzung eines Lebens ohne Drogen und der Einsatz für Rechte auch von Tieren etwas mit dem Glauben von Jugendlichen zu tun hat? Und können solche Wert- und Lebensorientierungen nicht gerade auch aus christlichen Motiven heraus begründet werden - vom vierten Gebot bis hin zur biblischen Schöpfungsethik -, auch wenn dies gewiss nicht immer der Fall ist? Wer sich wirklich auf Jugendliche einlässt und wer ihrem Denken und Empfinden auf die Spur kommen möchte, entdeckt jedenfalls bald, dass viele von ihnen keineswegs bloß am vordergründigen Lebensgenuss interessiert sind. Dies zeigen bereits die genannten Ergebnisse in der als Beispiel herangezogenen Studie - Familie, Gesundheit und Tierschutz sind durchaus als ideelle Werte zu verstehen. Weiterreichend ist nach dem grundsätzlichen Zusammenhang von Leben, Religion und Werten zu fragen.

"Woran du dein Herz hängst" - Religion als Dimension des Lebens
Religion ist nicht einfach ein abgegrenzter Bereich, der neben anderen Lebensbereichen steht. Religion ist vielmehr eine Dimension in allen Bereichen des Lebens oder kann jedenfalls in allen Lebensbereichen zur Geltung kommen. Deshalb hat sie immer auch mit den Werten eines Menschen zu tun. Martin Luther hat es einmal so zugespitzt: "Woran du nun dein Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott". Damit will er sagen, dass sich Menschen von ganz unterschiedlichen Dingen abhängig machen können, eben wenn sie diese als höchste Werte für ihr Leben anerkennen und so ihr Herz daran hängen. Bei Luther hat diese Aussage eine sehr kritische Spitze: Es ist nicht gleichgültig, woran wir unser Herz hängen. Wer oder was für uns Gott ist oder Gottes Stelle einnimmt, das hat vielmehr weitreichende Folgen sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft. Wenn ich mein Leben ganz dem Ziel der Vermehrung von Eigentum und Besitz unterstelle, werden andere zu meinen Konkurrenten, denen ich nur soweit trauen kann, als die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen reichen. Jeder ist sich dann selbst der Nächste (und den letzten beißen die Hunde).

Werte stellen im Unterschied zu den stets begrenzten (Einzel-)Normen oder Verhaltensvorschriften übergreifende Orientierungen des Lebens und Handelns dar. Insofern haben sie von vornherein eine besondere Nähe zu Glaube oder Religion, die ja ebenfalls solche übergreifenden Orientierungen betreffen. Die Kritik an einem allein (konkurrenz-)ökonomischen Denken kann allerdings auch zur Ablehnung bereits der Rede von Werten im Blick auf Religion führen. Von Werten des Tauschens und Kaufens sei sinnvoller Weise nur in der Wirtschaft zu sprechen - eben dort, wo Dinge ihr Geld wert sein sollen und sich an finanziellen Maßstäben, an Geld also, messen lassen. Das Leben eines Menschen, den Glauben oder gar Gott selbst hingegen bringe man am besten gar nicht mit solchen Begriffen in Verbindung. In diesem Sinne hat der Theologe Eberhard Jüngel vom christlichen Glauben als einer "wertlosen Wahrheit" gesprochen. Die christliche Wahrheit gehe über alle gesellschaftlichen Werte hinaus, und der Ruf nach christlicher Erziehung im Namen der Werte gehe daher an der Sache wesentlich vorbei.

Daran ist wichtig und richtig, dass religiöse Erziehung oder christliche Jugendarbeit nicht einfach als Lieferanten für Werte verstanden oder betrieben werden können. So funktionieren sie gerade nicht. Wer sie bloß um der Werte oder der Wertevermittlung willen betreibt, entwertet sie und erreicht keine Bindung an Werte. Dies hängt damit zusammen, dass der Glaube an Gott als Kern der religiösen Erziehung und der christlichen Jugendarbeit nicht aus der Überzeugung entsteht, dass bestimmte Werte wie Nächstenliebe eben heute so wichtig seien, dass man eben an Gott glauben müsse. Genau das Umgekehrte ist, vor allem aus evangelischer Sicht, der Fall: Aus dem Glauben an Gott erwachsen auch bestimmte Lebensorientierungen, Haltungen und Werte. Noch einmal mit Martin Luther gesprochen: Zu ethisch verantwortlichem Handeln kommt es nicht auf Grund bestimmter Verhaltensvorschriften, sondern ändern muss sich die ganze menschliche Person. Und ein solches Sichändern ist nichts anderes als die Hinwendung zu Gott im Glauben.

Auch wer so stark betont, dass der christliche Glaube geradezu "wertlos" sei und dass Gott nicht in der Ethik aufgehe, wird deshalb allerdings nicht behaupten wollen, dass die vom Glauben als Erneuerung des Menschen bewirkte Neuausrichtung des Lebens ethisch ohne Bedeutung oder Folgen sei. Gewiss: Auch gläubige Menschen sind nicht einfach makellose Vorbilder! Sie haben aber doch eine sie bindende Einsicht in die von Gott gewollten und für die Menschen förderlichen Formen des Lebens und Zusammenlebens gewonnen. Darin liegt ein bleibender Beitrag des Glaubens zu jeder Form der Werteerziehung, der nicht unterschätzt werden darf. Im Grunde geht es daher beim Verhältnis von Glaube und Werten um eine Art Paradoxie, die sich nicht auflösen lässt: Der Glaube an Gott liegt allen Werten voraus und lässt sich mit dem gesellschaftlichen Bedarf an Werten deshalb auch nicht begründen. Genau dieser Glaube hat aber höchst weitreichende Konsequenzen für die jeweils als wertvoll angesehen Form des Lebens und der Lebensgestaltung, für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft.

So gesehen ist es dann auch keineswegs ausgeschlossen, etwa die christliche Jugendarbeit für die gesellschaftliche Öffentlichkeit mit dem Hinweis auf deren Nutzen für die Werteorientierung zu begründen. Und auch für den Einzelnen kann es durchaus sinnvoll und plausibel sein, sich den Zusammenhang von Glaube und Werten vor Augen zu führen. Wichtig ist nur, sich dabei des grundlegenden Unterschieds zwischen Gott als dem Ursprung des Lebens selbst und den immer begrenzten Werten bewusst zu bleiben.

Die Zehn Gebote führen dies mit ihrem Aufbau im Grunde bereits vor Augen. Die sog. zweite Tafel, die auf das Verhalten zwischen den Menschen zielt, beruht auf der ersten Tafel, die das Verhältnis zu Gott betrifft. So begründet der Gottesglaube ethisches Verhalten - eine als sinnvoll und heilsam einsehbare Ordnung für das Zusammenleben, ohne einfach in einer solchen Ethik aufzugehen.


Nicht-religiöse Wertbegründungen?
Der Zusammenhang zwischen Glaube und Werten bedeutet allerdings nicht, dass nur Christen wirklich Werte haben oder nur religiöse Menschen sich an Werte gebunden fühlen könnten. Es gibt auch nicht-religiöse Begründungen für Ethik und Werte. Dies zeigt sich nicht nur im wirtschaftlichen Bereich, sondern auch bei bewusst nicht religiös ansetzenden Begründungen etwa in der Philosophie oder in der Pädagogik (Berufung auf Fairness, wechselseitigen Respekt, allgemeine Zustimmungsfähigkeit von Normen und Werten usw.). Immer aber gilt, dass Werte auf ein bestimmtes Verhältnis zum Leben und zur Wirklichkeit zurückgehen. Sie erwachsen, wie der Theologe Eilert Herms deutlich macht, stets aus einer bestimmten Weltanschauung. Ähnlich sieht der amerikanische Religionspsychologe James W. Fowler den (Lebens-)Glauben als Ausdruck der letzten Sinn- und Werterfahrungen eines Menschen. Seine weithin bekannt gewordene Theorie der Glaubensentwicklung kann auch als eine Untersuchung der weltanschaulichen Grundlagen von Wertorientierungen verstanden werden.

In unserer Gegenwart gibt es solche Weltanschauungen zwar nur im Plural - als christliche oder anders religiöse Weltanschauung, als religiöse oder nicht-religiöse Weltanschauung usw., aber das ändert nichts daran, dass Werte eine weltanschauliche Grundlage haben. Es fragt sich allerdings, welche Art von Weltanschauung es jeweils ist und was daraus für das Leben folgt.

Wie weit die Unterschiede hier reichen, zeigen die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen der Gegenwart zur Genüge. So führt etwa die Diskussion um das Klonen von Embryonen zu medizinischen Zwecken (sog. therapeutisches Klonen) rasch vor grundlegende Fragen des Menschenbildes und damit von Werten wie der menschlichen Würde und der Gottebenbildlichkeit. Auch wenn es darüber selbst in Kirche und Theologie durchaus unterschiedliche Auffassungen gibt, ist doch deutlich, dass Glaube und Weltanschauung sehr konkrete Konsequenzen für ethische Handlungsorientierungen haben. Ähnliches wird bei Fragen der Wirtschaftsethik sichtbar, wenn es beispielsweise um die ökonomische Globalisierung geht. Welchen Rang haben bei der Globalisierung Perspektiven wie weltweite Gerechtigkeit und die Lebensperspektiven von Menschen in der sog. Dritten Welt? In welchem Verhältnis sollen wirtschaftliche Interessen im Sinne des globalen Wettbewerbs und die Lebensmöglichkeiten von Menschen mit geringen oder nicht nennenswerten ökonomischen Mitteln zueinander stehen? Auch bei solchen Fragen tritt das enge Verhältnis zwischen Glaube oder Weltanschauung und Werten deutlich zutage.

Konsequenzen für Werteerziehung und Jugendarbeit
Einige Konsequenzen sind bereits deutlich geworden. Einerseits bleibt auch angesichts heutiger Wertedebatten richtig und wichtig, dass christliche Jugendarbeit nicht als Wertelieferantin funktionalisiert werden darf - schon deshalb nicht, weil sie so gar nicht funktionieren kann. Andererseits sollte in einer gesellschaftlichen Situation, in der andere Interessen wie der internationale Wettbewerb - auch etwa in Gestalt von Schulleistungsvergleichen - die Bildungspolitik nachhaltig beeinflussen, aber auch nicht darauf verzichtet werden, den Beitrag der Jugendarbeit zur gesellschaftlich erforderlichen Werteerziehung mit Nachdruck hervorzuheben. Insofern bleibt es bei einem Drahtseilakt - gleichsam zwischen einem weltlosen Glauben, der für die Lebens- und Wertorientierungen nichts bedeuten würde, und einem auf Werteerziehung reduzierten Christentum, das sich kritiklos einem gesellschaftlichen Bedarf unterwirft. Beide Gefahren müssen gleichermaßen vermieden werden.

Als weitere Aufgaben kommen Möglichkeiten in den Blick, die Rolle von Religion im Leben heutiger Jugendlicher mit den Jugendlichen selbst genauer zu klären. Wenn es zutrifft, dass Wert- und Lebensorientierungen immer eine religiöse oder weltanschauliche Grundlage besitzen, dann ist es sinnvoll und wichtig, nach dieser Grundlegung im eigenen Leben zu fragen. Und weiterhin kommt es darauf an, die Tragfähigkeit dieser Grundlegung zu prüfen, nicht zuletzt im Gespräch mit anderen Jugendlichen oder mit Erwachsenen.

Daran schließt sich die wichtige Aufgabe an, mit Jugendlichen deren Verständnis von Glaube und Religion zu klären. Vor allem muss dieses Verständnis heute erweitert werden. Viele Jugendliche denken bei Religion nur an den Religionsunterricht oder eben an die Kirchengemeinde, an den Pfarrer und an den Papst oder an Fundamentalismus, wie er heute vor allem im Blick auf den Islam in den Medien präsentiert wird. Bei einem solchen Verständnis von Religion ist von vornherein klar, dass die so wahrgenommene Religion für die Jugendlichen selbst nicht sonderlich wichtig oder sogar negativ besetzt ist, weshalb sie dann bei entsprechenden Umfragen auch genau so antworten wie bei dem eingangs genannten Beispiel: "Kein Interesse an Religion" - was aber als: "Kein Interesse an einer solchen Religion" verstanden werden muss. Wichtig wäre es - für die Jugendlichen selbst, aber auch für die Gesellschaft und für die Kirche -, dass junge Menschen entdecken, welche Rolle religiöse oder weltanschauliche Ausrichtungen auch dann in ihrem Leben spielen, wenn sie sich selbst gar nicht als bewusst gläubig oder religiös ansehen. Die Frage nach dem Zusammenhang von Werten und Religion macht dies exemplarisch sichtbar: Was Menschen glauben, hat Folgen für das Leben. Deshalb ist das Nachdenken über den Glauben eine allgemeine Bildungsaufgabe, die sich nicht auf diejenigen beschränkt, die "besonders religiös" oder "fromm" sind.

Literaturhinweis:
Friedrich Schweitzer, Die Suche nach eigenem Glauben. Einführung in die Religionspädagogik des Jugendalters, Gütersloh 21998
Friedrich Schweitzer, Lebensgeschichte und Religion. Religiöse Entwicklung und Erziehung im Kindes- und Jugendalter, Gütersloh 52004

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Autorinnen und Autoren des Heftes

  • Dr. Ulrich Beck, München
    Professor, Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Dr. Roland Becker-Lenz, Brugg/Schweiz
    Professor an der Fachhochschule Aargau, Departement Soziale Arbeit
  • PD Dr. Imbke Behnken, Siegen
    Wissenschaftl. Mitarbeiterin an der Universität Siegen
  • Steffen Jung, Kaiserslautern
    Landesjugendpfarrer der Evang. Jugend i. d. Pfalz, Vorsitzender der aej
  • Dr. Heiner Keupp, München
    Professor, Institut für Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Till Krause, Erlangen
    Student der Theater- und Medienwissenschaft, Christlichen Publizistik und Anglistik an der Uni Erlangen
  • Dr. Arne Manzeschke, Nürnberg
    Theologe, wissenschaftl. Assistent, Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Universität Bayreuth
  • Dr. Horst W. Opaschowski, Hamburg
    Professor, Zukunftswissenschaftler und Politikberater
  • Dr. Thomas Rauschenbach, München
    Professor, Direktor des Deutschen Jugendinstituts
  • Dr. Ferdinand Rohrhirsch, Esslingen
    Professor für Philosophie an der Kath. Universität Eichstätt
  • Hannah Rückert, Nürnberg
    Teilnehmerin im Freiwilligen Sozialen Jahr
  • Renate Schmidt, Berlin
    Bundsministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Dr. Albrecht Schöll, Münster
    Stellv. Direktor des Comenius Instituts Münster
  • Dr. Friedrich Schweitzer, Tübingen
    Professor am Lehrstuhl für Prakt. Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Johano Strasser, Berg
    Schriftsteller, Generalsekretär des PEN-Zentrums
  • Dr. Ronald Uden, Burgdorf
    Professor, Privatdozent für Prakt. Theologie und christl. Publizistik, FAU

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