das baugerüst 1/08 - Jugendarbeit im Web 2.0

Inhalt

  • hintergrund
    Claus J. Tully: Eine Gesellschaft geht online - Jugendliche zuerst
    Dagmar Hoffmann & Fabian Kersten: Spiel der Identitäten - Mit oder ohne Grenzen? Persönliche Inszenierungen auf sozialen Netzwerkportalen
    Hans-Martin Gutmann: Second Life - die Welt noch einmal?
    Michael Lange: Brauchen wir ein zweites Leben?
    Tobias Schuhmacher: Cyberchurch in Second Life
    Klaus Staeck: Google is watching you
  • kontrovers
    Roland Bader:Kurzschluss der direkten Kommunikation
    Norbert Neuß: Die Grenzen von Öffentlichkeit und Privatem verschwimmen
  • forum
    Hans Holleis: Identität und Integration. Ein Kooperationsprojekt von skillz e.V. - philosophisch pädagogische Projektarbeit und Beratung in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt München
    Christian Herrmann: Was machen Jugendliche aus Netzcheckers?
    Michael Lange: Bildung in Second Life
    Paul Neuberger: Mach mit - Mach Web. Die Evangelische Jugend Speyer auf dem Weg ins Web 2.0
    Patrick Beuth: Methusalem-Komplott 2.0
    Glossar Web 2.0
    Michael Gurt: Online zwischen Zwergen, Elfen und Trollen. World of Warcraft aus pädagogischer Sicht
    Rezensionen

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Wolfgang Noack: Das Leben findet online statt

Einführung in das Heft

Wenn tagging, blogging oder podcasting nicht gerade zu Ihrem alltäglichen Tätigkeitsprofil zählen, könnten die nachfolgenden Seiten höchst erhellend und hilfreich sein. Geht es doch um nichts weniger als um die Gefahr, den Anschluss auf der Datenautobahn zu verpassen.
Zeitung, Fernsehen nach Programm, Bilder in Alben geklebt oder in Diakästen verstaut, eineinhalb Meter Enzyklopädie im Bücherregal oder leibhaftige Demonstration auf der Straße – all dies war gestern.
Das Internet mutiert von der Version 1.0 zu 2.0 und aus einem geschlossenen System entwickeln sich offene Plattformen, die keine konsumorientierten User mehr kennen, sondern nur noch gleichberechtigte Netzwerker. Die Aussichten sind glänzend. Blogs informieren umfassend aus der Bürgerperspektive, gierig stürzt sich die Welt auf die letzten Strand- und Weihnachtsfotos, lästige Straßenschlachten gehören dank neuer Internetdemos der Vergangenheit an und dass die ARD den Beginn von Marienhof selbstherrlich auf 18.25 Uhr festsetzte, war schon immer ein Ärgernis.
War früher die Netzwelt geteilt in Publizisten, die etwas zu sagen hatten und Besuchern, die etwas suchten, schaffen heute die NutzerInnen selber was sie nutzen wollen. Eine "Bewegung von unten" schwärmt der kalifornische Internet-Pionier und Web 2.0 Erfinder Tim O`Reilly.
Endlich scheint sich Brechts Radiotheorie beim Internet zu verifizieren. Sah Brecht Ende der 20er Jahre, dass der Hörfunk ohne ein gesellschaftliches Bedürfnis erfunden wurde, denn "Nicht die Öffentlichkeit hatte auf den Rundfunk gewartet, sondern der Rundfunk wartete auf die Öffentlichkeit", so galt dies noch viel mehr beim Internet. Aber anders als beim Hörfunk, entwickelt sich das Netz zur Zeit jedoch von einem Massenmedium zu einem Medium der Massen. Der liebe B.B. würde sich heute wahrscheinlich als begeisterter Web 2.0-User und Blogger outen. "Der Rundfunk", so Brecht, "wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur zu hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen." (Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. In: Bertolt Brecht: Gesammelte Werk, Frankfurt/M.)

"In Beziehung setzen", sprich vernetzen ist das Ziel der bunten Angebote in den Weiten von Web 2.0. Bei MySpace, StudiVZ, Facebook oder wie die Plattformen alle heißen, versammeln sich in den westlichen Industriestaaten über 400 Millionen Menschen. YouTube liefert 100.000 Millionen Videos pro Tag online aus, bei flickr warten 500.000 Millionen Fotos auf ihren Abruf und ca 130.000 deutschsprachige Blogs suchen ihre Leser. War ein Tagebuch früher eine höchst private Angelegenheit, das mit einem  kleinen Schloss vor den neugierigen Augen gesichert in der hintersten Ecke der Schublade ruhte, stellen Blogger heute ihre Erfahrungen und Erkenntnisse der Weltöffentlichkeit zur Verfügung. Von skurrilen Alltagsgeschichten bis zu politischen Kommentaren ist da alles dabei. "90 Prozent davon sind Unsinn" sagt Sascha Lobo,  Gründer des grimmeprämierten Blogs Riesenmaschine.de und die verbleibenden zehn Prozent sind durchaus in der Lage mit ihren Online-Tagebüchern eine öffentliche Debatte zu inszenieren. Hier hätte Brecht seine wahre Freude.
Nicht ganz zu Unrecht. Ende vergangenen Jahres wurde der chinesische Bürgerrechtler Hu Jia wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" verhaftet. Seit einem halben Jahr stand Hu Jia in seiner Pekinger Wohnung unter Hausarrest. Über seinen Internetblog informierte er die Weltöffentlichkeit und nahm via Webcam sogar an einer Anhörung des Europäischen  Parlaments teil. Autoritäre Regimes fürchten durchaus die politische Schlagkraft der wachsenden Web-Gemeinde.
Ob das für demokratische und individualisierte Gesellschaften ebenso gilt, lässt sich so klar nicht sagen. "Wir toben uns auf allen möglichen Foren aus", schreibt die Berliner Autorin Tanja Dückers, "während wir von mehr Videokameras als je überwacht werden." Wir können uns zu allen möglichen Themen äußern, Vorgänge kommentieren und Entscheidungen bewerten, aber, so Tanja Dückers weiter, "leckern" wir letztendlich nur "unsere Tastaturen voll". Einspruch kommt  von dem Internetguru Ossi Urchs. Für ihn können Blogs zu einer neuen politischen Kontrollinstanz werden.

Jugendarbeit im Web 2.0
Es ist gerade mal 20 Jahre her, da war in dem von Jürgen Fritz, Professor für Spielpädagogik, herausgegebenen Band "Computer in der Jugendarbeit?" zu lesen: "Für die meisten Jugendeinrichtungen gilt heute sicher der Satz: So´n Teufelszeug kommt uns nicht ins Haus!`" Irrtum. Erstens machte dieses "Teufelszeug" vor Jugendhäusern und Jugendverbänden nicht Halt und zweitens ist für Jugendliche das virtuelle Netz längst ein realer Bereich des Alltags (Wolfgang Schindler). Dabei haben sie den Status einer Bastelgruppe für die eigene Homepage verlassen und tummeln sich in Communities wie SchülerVZ, Netzcheckers, LizzyNet oder young-spirix. Versammeln, austauschen und mitreden ist angesagt und wie in den Beiträgen auf all den anderen Plattformen, ist auch hier die Grenze von Qualität und Schrott fließend. Nur, so wirft Christian Hermann von netzcheckers ein, "die Frage nach dem tieferen Sinn wird zumeist nur bei Medienangeboten aufgeworfen".  Trotzdem muss in der Jugend- und Bildungsarbeit diskutiert werden, welche Kompetenzen im Netz erworben, welche Bedürfnisse geweckt und befriedigt werden und was es bedeutet, wenn weite Teile der Privatsphäre öffentlich zur Verfügung stehen. Medienkompetenz, so der Münchner Soziologe Claus J. Tully, "hat sich neben Lesen, Schreiben und Rechnen zur vierten Kulturtechnik entwickelt".

Bleibt zum Schluss der Rat, den Jürgen Fritz schon vor 20 Jahren gegeben hat: ?Um den Computer als Freizeitmedium in Jugendeinrichtungen nutzen zu können, müssen Pädagogen, (damals noch nicht gegendert! Red.) die dort arbeiten, etwas davon verstehen. Günstige Voraussetzung ist die Selbstausbildung?. Also: Auf ins Web 2.0.

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Wolfgang Schindler: Das Ende der Burgmentalität

Mit Jugendlichen im Web 2.0

Früher war die Welt noch ein wenig in Ordnung, damals, im Web 1.0. "Mein PC gehört mir!" oder "Eigener Server ist Goldes wert" hieß die Devise. Nur hier sind meine Daten sicher, nur hier habe ich die Kontrolle, mein Webauftritt ist wie eine Burg in den endlosen Weiten des virtuellen Raumes. Aber diese Burgmentalität scheint mit der Kommunikationskultur des Web 2.0 nicht vereinbar. Ein paar Beispiele illustrieren dies:

- Links liegen im Web 2.0 nicht mehr als "Bookmarks" oder "Favoriten" am eignen PC, sondern stehen bei del.icio.us online.
- Texte lassen sich ganz ohne "Word", im Browser, online schreiben und auf fremden Servern abspeichern
- Writely.com lässt ein Textverarbeiter-Leben ohne Installationsparty und Update-Zirkus denkbar werden.
- Die Fotos der letzen Party sind auf flickr.com einzusehen, den Videoclip von dieser Party liefert www.youtube.com.
- Damit auch alle alles finden, weisen "Tags", also frei vergebene, verlinkte Stichworte  auf solche Publikationen statt Infos altmodisch hierarchisch zu sortieren: "Folksonomy" statt Taxonomie.
- Bei Xing steht meine private oder berufliche Identität ordentlich sortiert zur Verfügung, einschließlich des sozialen Netzwerkes.
- www.amazon.de weiß, welche Menschen den gleichen Buch-Geschmack wie ich haben. Google lernt aus meinen Suchanfragen und präsentiert mir "mein Web" vorgefiltert, obwohl ich gar nicht in China wohne.
Politisch motivierte Zensur ist inkorrekt, aber Komplexitätsreduzierung ganz praktisch oder? Der "Spiegel" fasst daher zusammen(1): "Eine Generation zieht sich online aus", im übertragenen und/oder wörtlichen Sinn. Den Datenschützer und die Pädagogin gruselt es bei dem Gedanken und die politischen Visionäre von einst jubeln nicht, obwohl doch endlich die Radiotheorie von Bert Brecht aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts flächendeckend Wirklichkeit zu werden scheint:
- Jedermann (und auch jede Frau) ist nicht mehr nur Rundfunk (Broadcast)-Empfänger, sondern auch -SenderIn, PodcasterIn. Sogar ein Handy reicht dazu bereits aus, als Studioersatz und Sendestation zugleich. "Grassroot-Publishing" informiert von der  Geo-caching-Wanderung und aus den Schützengräben in Afghanistan.
- Seit Weblogs, tausendfach in "Technorati" verknüpft, eine veritable Gegenöffentlichkeit darstellen, wird der Verlust der journalistischen Objektivität befürchtet. Aber wo Lokalzeitung und Illustrierte ihre Quellen haben, wissen wir nicht und fragen auch meist nicht nach.
- "Das Volk" schreibt sich seine Enzyklopädie selbst und wir beschäftigen uns mit Diskussionen, ob diese Texte immer den Brockhaus-Standard erreichen und ob Wikipedia-Texte in Hausaufsätzen zitiert werden dürfen.
Widersprüchliches wird sichtbar: Ist Emanzipation gut, aber Lieschen Müllers Bilder vom Party-Vollrausch in Flickr schlecht? Ist Gegenöffentlichkeit gut, aber leider oft ätzend banal? Ist Googles kostenlose Websuche gut, bezahlte Google-Rankings aber schlecht? Ist Überwachung schlecht, aber gefilterte Suchergebnisse gut, weil zeitsparend? Ist wildes Denken gut, aber die Auflösung hierarchisch strukturierter Systematiken in Tag-Wolken ein zu beklagender Verlust analytischer Präzision? Pflegen wir etwa in Sachen Datenschutz und neuen Webdiensten eine Moral mit doppeltem Boden?


"Du bist das Netz"
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Dagmar Hoffmann & Fabian Kersten: Spiel der Identitäten - Mit oder ohne Grenzen?

Persönliche Inszenierungen auf sozialen Netzwerkportalen

Es ist fast 50 Jahre her, dass Erving Goffman das heute legendäre Buch über die Selbstdarstellung des Menschen im Alltag (im Original: The Presentation of Self in Everyday Life, 1959) verfasste. Der Soziologe zeigte damals auf, wie Menschen im Alltag kommunizieren und interagieren, wie sie an ihrem Selbst im Austausch und der Begegnung mit anderen Menschen arbeiten und versuchen, ihr verletzliches Innerstes zu wahren und zu schützen. Demzufolge ist jeder im Alltag bestrebt, anderen ein Bild von sich zu vermitteln, d.h. sich einen Ausdruck zu geben und einen Eindruck zu hinterlassen. In der Regel übernehmen Menschen in einer strukturell funktionalisierten Gesellschaft verschiedene Rollen, in denen sie sich üben und die sie auch dazu nutzen, um sich zu präsentieren. Goffman ging davon aus, dass Menschen den Eindruck, den sie auf andere ausüben, soweit wie möglich selbst steuern wollen. Diese Form der geübten Selbstdarstellung bezeichnete er als impression management. In der deutschen Übersetzung wird von Eindrucksmanipulation gesprochen. Goffmans Handlungstheorie zwischenmenschlicher Beziehungen hat an Aktualität nicht verloren. Obwohl sich seine Beispiele hauptsächlich auf soziale Lebenswelten, auf Begegnungen von Menschen in realen, unmittelbaren Räumen und face-to-face-Beziehungen konzentriert haben, lässt sich sein Paradigma bequem auf mediale Kommunikations- und Interaktionsformen anwenden und ist somit für die Analyse medialer Identitätsräume heute von sehr großem Wert (vgl. Boyd 2006, 2007).

Im Folgenden beschäftigen wir uns mit so genannten social network sites, also Freundschaftsportalen im Internet, die sich aktuell großer Beliebtheit erfreuen. Im Herbst 2007 haben wir eine explorative Analyse des im Frühjahr des Jahres gestarteten Portals schülerVZ vorgenommen. Das schülerVZ ist ein Onlinenetzwerk für Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren. Den Nutzern ist es möglich, sich mit ihren Freunden und Freundinnen ihrer Schule und auch anderer Schulen zu vernetzen. Sie können ein Profil von sich anlegen, Fotoalben auf ihrer Seite anlegen, Diskussionsgruppen gründen oder bereits bestehenden beitreten. Im November 2007 verzeichnete das schülerVZ nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen registrierte Mitglieder.

Online-Profile - Fassaden vom Selbst
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Tobias Schuhmacher: Cyberchurch in Second Life

Es ist 11 Uhr Second Life-Zeit, 19 Uhr in Mitteleuropa, als ich die us-amerikanische Jesus-House-Gemeinde betrete. Das schlichte Kirchengebäude, verziert mit dem leuchtenden Schriftzug "Christ is born" (Christus ist geboren), steht inmitten einer öden künstlichen Landschaft. Ich bin nicht alleine. Etwa ein Dutzend weiterer Avatare steht im Gottesdienstsaal, der mit einem großen Kreuz geschmückt ist, und wartet auf den Pastor. Sie begrüßen einander und "chatten" (plaudern). Weil ich neu bin und niemanden kenne, halte ich mich dezent im Hintergrund, gehe auf die Empore und beobachtete was passiert. Mit einigen Minuten Verspätung trifft der Pastor ein, entschuldigt sich für die Verspätung, geht zu seinem Rednerpult und informiert alle darüber, dass sie jetzt per Mausklick den Ton des Gottesdienstes zuschalten können. Wir hören Lobpreismusik, Gebet und eine Predigt, die sich mit den Psalmen 147 und 148 beschäftigt. Von der Empore schaue ich hinab zu den anderen. Sie stehen oder sitzen, heben ihre Arme oder verharren in Gebetshaltung auf den Knien. Ich habe vorher auch ein Paket von Anbetungsgesten aufgenommen, das mein Avatar nun verwenden kann. Da gibt es die erhobenen Arme, die empfangende Haltung mit den nach oben gerichteten Handflächen vor dem Körper oder die klassische Gebetshaltung mit gefalteten Händen und auf den Knien. Darüber hinaus könnte mein Avatar auch tanzen, aber das lasse ich lieber. Stattdessen hebe ich während des Lobpreises die Arme und genieße die Zeit mit Gott, bis der Pastor mit einem Gebet die Predigt einleitet.
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Versammeln, austauschen, mitreden

Was Menschen im Web 2.0 suchen. Gespräch mit Ossi Urchs, Internet-Guru und Journalist

baugerüst: Herr Urchs, waren Sie heute schon im Netz?

Urchs: Ja natürlich. Ich habe das gemacht, was ich immer zu Beginn eines Arbeitstages mache: Emails abholen, Seminarunterlagen für die Teilnehmer auf meine Website laden und die abonnierten Nachrichtenseiten lesen.

baugerüst: Alle reden vom Web 2.0. Was ist neu am Web 2.0?

Urchs: Das Web 2.0 ist zunächst einmal überhaupt keine neue Technologie. Das meiste ist alt bekannt, nur hat sich der Charakter der Möglichkeiten verändert. Das Web 2.0 ermöglicht Menschen ihre digitalen Medien auszutauschen, als Texte, Fotos, Videos oder Musik. Das eigentlich Neue ist, dass sie das auf offenen Plattformen tun, ohne eine übergeordnete Instanz. Es gibt kein Regulativ. Die Nutzer regulieren sich dort selbst.

baugerüst: Werden durch diese neue Möglichkeiten auch neue Bedürfnisse erzeugt?

Urchs:  Solche neuen Strömungen und Tendenzen funktionieren immer nur dann, wenn sie vorhandene Bedürfnisse befriedigen können. Der Medienwissenschaftler Derrick de Kerckhove, hat einmal gesagt, die PC-Monitore  sind die Lagerfeuer der Internetgeneration. Es ist ein Grundbedürfnis der Menschen sich zu versammeln, auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und zu vermitteln.

baugerüst:
Es sollen sich mindestens 40 Millionen Menschen in sozialen Netzen des Internets aufhalten. Was suchen die Menschen dort?

Urchs: Menschen suchen immer die Nähe zu anderen Menschen. Das Internet ermöglicht es nun, geografische und kulturelle Grenzen zu überwinden. Wenn ich mich früher mit Freunden in Amerika austauschen wollte, musste ich hinfliegen. Heute lebe ich mit Menschen in Amerika so, als würden sie zwei Straßen weiter wohnen. Über facebook teile ich meinen Freunden mit, in welche Kneipe ich jetzt gehe, wen ich da treffe usw. Es ist keine wirklich fühlbare Distanz mehr da, Entfernungen und Grenzen verschwinden einfach.

baugerüst:
Finden Sie dort auch etwas, was Sie in der zwischenmenschlichen Kommunikation nicht bekommen?

Urchs: Die Grundlage ist das Bedürfnis zu kommunizieren. Hinzu kommt das Phänomen von Nähe und Anonymität zugleich, das die Kommunikation im Netz bietet. Als Nutzer gebe ich mir einen Namen und eine digitale Identität, habe aber trotzdem eine gewisse Anonymität. Man kann sich hinter einer virtuellen Person verstecken - bis andere das erkennen.
Diese merkwürdige Spannung mit Distanz, Diskretion und beinahe intimer Nähe, ist etwas Neues für Menschen. Das macht sie neugierig, weil es interessant ist auszuprobieren, was geht und was nicht.

baugerüst:
Verändert die Kommunikation in Chats, ICQ etc. die Sprache?

Urchs: .......

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Martin Weber: Evangelische Jugend 2.0

Wie sich Jugendarbeit verändert

Die Wohnungstür fliegt mit Schwung auf, ein Rucksack landet unsanft in der Ecke. "Was gibt`s zum Mittagessen?" Tim ist zuhause! Die Spaghetti sind schnell verdrückt, dann verschwindet Tim in seinem Zimmer und schaltet seinen Computer ein. Tim ist 16. Er geht in die zehnte Klasse eines Gymnasiums und trifft sich gerne mit Freunden. Die wohnen gleich um die Ecke. Oder 500 Kilometer entfernt. Über das Internet ist das aber auch keine Entfernung. E-Mails checken, mit Freundinnen und Freunden chatten, Videos gucken, Musik runterladen, aber vielleicht auch selbst aktiv werden und im eigenen Blog schreiben oder auf den neuesten Forenbeitrag antworten. Und die Meinungen dazu? Katastrophale Auswüchse einer oberflächlichen Spaßgesellschaft für die einen, das ganz normale Ritual von aufgeweckten und interessierten Jugendlichen für andere.

Die Statistik spricht jedenfalls eine klare Sprache. Laut ARD/ZDF Online-Studie ist das Internet vor allem für junge Menschen zu einem täglichen Begleiter für alle möglichen Fragen und Themen geworden - dies gaben jedenfalls 75 Prozent der 14- bis 19-Jährigen und 77 Prozent der 20- bis 29-Jährigen an. 60 Prozent der 14- bis 19-Jährigen behaupten sogar, dass Internet gehöre schon aus Gewohnheit zu ihrem Leben dazu. Bei älteren Internetnutzern nimmt dieses Gefühl erwartungsgemäß rapide ab.

Spaß, Infos und Freunde
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Autorinnen und Autoren

  • Dr. Roland Bader, Freiburg
    Diplompsychologe, Professor für Medienpädagogik an der Fachhochschule Hildesheim / Holzminden / Göttingen
  • Patrick Beuth, Frankfurt/M.
    Journalist
  • Tanja Dückers, Berlin
    Schriftstellerin und Journalistin
  • Dr. Hans-Martin Gutmann, Hamburg
    Professor an der Universität  Hamburg, Evangelische Theologie
  • Michael Gurt, München
    JFF - Institut für Medienpädagogik
  • Christian Herrmann, Bonn
    IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.  
  • Dagmar Hoffmann, Berlin,
    Jugendsoziologin und Gastprofessorin für Medientheorie an der Kunsthochschule Berlin Weissensee
  • Hans Holleis, München
    skillz e.V. - philosophisch pädagogische Projektarbeit und Beratung
  • Fabian Kersten, Amsterdam,
    Medienwissenschaftler und Marketing Manager beim Wissenschaftsverlag Elsevier
  • Michael Lange, Berlin
    Medienpädagoge
  • Paul Neuberger, Speyer
    Jugendreferent in der Protestantischen Jugendzentrale des Dekanats; Fortbildung zum Computermedienpädagoge in Josefstal
  • Dr. Norbert Neuß, Holzminden
    Professor an der HAWK Fachhochschule Holzminden; Vorstandsvorsitz der GMK, Vorstand des Blickwechsels e.V.
  • Wolfgang Schindler, Josefstal
    Diplompädagoge, Supervisor und Gruppenanalytiker, Computermedienpädagoge im Studienzentrum Josefstal
  • Ulrike Schmidt, Bonn
    Projektleiterin von "Schulen ans Netz"
  • Tobias Schuhmacher, Düsseldorf
    www.bodenpersonal.net.Evangelikale Spiritualität im Netz
  • Klaus Staeck, Heidelberg
    Grafikdesigner, Karikaturist, Jurist, Präsident der Akademie der Künste
  • Dr. Claus J. Tully, München
    Deutsches Jugendinstitut München, Professor der Freien Universität Bozen
  • Ossi Urchs, Offenbach
    F.F.T. MedienAgentur
  • Martin Weber, Hannover
    Projektleiter der aej "Evangelisches Jugendportal im Internet".

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