das baugerüst 2/08 - Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit

das baugerüst 2-08 ist leider vergriffen.

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Inhalt

  • hintergrund
    Barbara Hanusa:
    "Zäh am Staunen"
    Zum Verhältnis von Jugendlichen und christlicher Religion im Kontext von Konfirmandenarbeit
    Friedrich Schweitzer: Perspektivwechsel
    Impulse für die Annäherung von Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit
    aus wissenschaftlichen Untersuchungen
    Werner Windisch: Kooperation auf Augenhöhe
    Karin Schlenker-Gutbrod: Heimat finden
    Ein positives Bild von Kirche und Glaube durch die Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit
    Ekkehard Langbein: Lernorte - Lebensorte
    Chancen der Kooperation zwischen Ganztagsschule, Konfirmanden- und Jugendarbeit
  • gespräch
    "Das Beste kommt noch!"
    Gespräch über Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit, über Brücken und Gräben, über Highlights und Alibifunktionen
    Gespräch mit Ines Güther, Reinhold Ostermann und Werner Windisch
  • standpunkt
    Michael Freitag:
    Konfi-Arbeit durch den Jugendverband?
  • forum
    Frank W. Löwe: Konfi-Camps
    Erfolgreiche Modelle der Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit boomen
    Dieter Hoff: Konfetzival zwischen Konfirmanden- und Jugendarbeit
    Volker Napiletzki: Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit oder das Prinzip der kommunizierenden Röhren
    Tabea Bartels: Konfi-Arbeit Ost
    Carsten Haeske: Alleine macht es keinen Spaß
    Regionale Vernetzung als Antwort auf sinkende Konfirmandenzahlen in ostdeutschen Kirchen
    Willi Schönauer: Experimentierfeld für Glaubenspubertät
    Jugendkirche und Konfiarbeit
    Dieter Niermann: Ist das nun Jugendarbeit oder Konfirmandenarbeit?
    Wie die Jugendarbeit auf die Konfirmation vorbereitet
    Oliver Dimbath: Novizen und Virtuosinnen
    Unterschiedliche Situationsdefinition von Teilnehmenden bei Jugendfreizeiten

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Wolfgang Noack: Verbindungen

Einführung in das Heft

Brücken verbinden – normalerweise. Wenn aber, wie auf dem Titelbild dieser Ausgabe, die beiden Brückenköpfe ins Leere führen, muss man sich über die Verbindung Gedanken machen. Brücken machen auch nur Sinn, wenn es wirklich etwas zu verbinden gibt, wenn zwei Uferseiten erkennbar sind, ein Hindernis überwunden werden muss. Eine Brücke einfach so in die Landschaft gestellt, macht keinen rechten Sinn.

Manchmal werden Brücken aber auch so angelegt, dass der Übergang von einer auf die andere Seite gar nicht bemerkt wird, da hüben wie drüben gleich erscheint, ohne erkennbare Unterschiede. Oder ein Bereich hat sich über das Ufer ausgedehnt und setzt sich auf der anderen Seite fort.

Vor nicht allzu langer Zeit standen die Konfirmandenarbeit bzw. der Konfirmandenunterricht und die Jugendarbeit als zwei völlig getrennte Bereiche nebeneinander - der eine der Hort der Pflicht und der andere die pure Selbstbestimmung. Heute spricht man von Verflechtung, Kooperation oder eben von einer Brückenfunktion dieser beiden kirchlichen Angebote für Jugendliche. War der Konfirmandenunterricht ein "Schild des Glaubens" mit "Bibel, Gesangbuch und Katechismus", so näherten sich in den letzten Jahren Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit immer mehr an, schreibt Steffen Jung. Aus dem Unterricht wurde die Konfirmandenarbeit und die Lebenswelt der Jugendlichen fand die notwendige Beachtung, ohne das kirchliche Interesse, nach dem sich Jugendliche vor der Konfirmation mit wesentlichen Themen des Glaubens auseinandersetzen sollen, aufzugeben. Die Konfirmandenzeit bleibt eine "Kundschafterfahrt ins Land der Kirche, eine Exkursion in die Zeit des Glaubens", so wie es der Bonner Professor für praktische Theologie, Henning Schröer einst beschrieben hat.
Aber auch Jugendarbeit hat sich verändert. Der hektografierte Flyer, mit dem die Konfirmanden in die Jugendgruppe eingeladen wurden, hat längst seine Werbewirksamkeit verloren. "Jugendgruppen kommen nicht mehr so leicht zustande wie früher", sagt Werner Windisch, langjähriger Mitarbeiter in einem Projekt zur Konfirmandenarbeit. Dabei genügt es nicht mehr, bei der Konfirmation auf die Brücke zur Jugendarbeit hinzuweisen oder am anderen Ende des Ufers auf die Jugendlichen zu warten. Die Konfirmandenarbeit muss eine Einladungskarte in die Jugendarbeit sein. Denn "ohne eine Vernetzung" dieser beiden Arbeitsbereiche, so schreibt Marcell Saß (Universität Münster), wird sich der Marginalisierungsprozess von Kirche unter Jugendlichen nicht aufhalten lassen.

Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit mit einer Brücke zu verbinden hieße, einen gangbaren Weg von dem einen in den anderen Bereich zu schaffen. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Jugendarbeit engagieren sich in den unterschiedlichsten Formen dieser Arbeit mit Konfirmanden und schaffen so einen nahtlosen und attraktiven Übergang in die Angebote nach der Konfirmation. Beide Arbeitsfelder bleiben dabei selbstständig. So macht eine Brücke Sinn. 

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Steffen Jung: Jugendfreundliche Kirchengemeinde

Chancen durch die Konfirmandinnen- und Konfirmandenarbeit

Es mag auf den ersten Blick überraschend erscheinen, wenn ein Landesjugendpfarrer, der doch überwiegend in der landeskirchenweiten, allenfalls noch schwerpunktmäßig in der regionalen Jugendarbeit tätig ist, ein Plädoyer für die Konfirmandinnen- und Konfirmandenarbeit als Chance für den Aufbau einer jugendfreundlichen Kirchengemeinde schreibt. Aber der Landesjugendpfarrer ist in unserer Landeskirche erstens verantwortlich für die gesamte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (dem Landesjugendpfarramt obliegt die fachliche Beratung und Begleitung der Kirchengemeinden in allen Fragen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen) und zweitens zeigt sich in den letzten Jahren eine intensive Annäherung der Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden an die Jugendarbeit, die - neben vielfältigen anderen benefits - auch zu großen Hoffnungen für einen gelingenden Gemeindeaufbau Anlass geben. Endlich werden die Kompetenzen  der regional arbeitenden Jugendreferentinnen und Jugendreferenten in der Kinder- und Jugendarbeit für die konzeptionelle Entwicklung der Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden und damit für die gemeindliche Jugendarbeit seitens der Kirchengemeinden fruchtbar gemacht. Von Konfitagen über Konficamps bis zur Begleitung von offenen Angeboten der Arbeit, verschiedenen Praktikas, Angeboten für die Gruppe und Jugendgottesdienstprojekten  reicht das Spektrum der Kooperationen. Manche sprechen "von dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft". Damit diese wunderbare Freundschaft beginnen konnte, war ein Paradigmenwechsel nötig.

Dreimal A

Vermutlich ist sie vielerorts vorbei die Zeit des Konfirmandinnen- und Konfirmandenunterrichts mit den drei A: Auswendig lernen, Abhören, Abstrafen. Abstrafen wurde in unserer Landeskirche bis zu den 70iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchaus handgreiflich verstanden, später zeigte es sich nur noch durch öffentliche Blamagen ganzer Familien und Bloßstellung Einzelner in so genannten Konfirmandinnen- und Konfirmandenprüfungen.Abhören: Meine eigenen Erfahrungen als Konfirmand beinhalten quälend lange Abhörexerzitien, die Gefühlslagen zwischen Mitleid und Langeweile generierten.Auswendig lernen: Die Leitstellung dieser Methode wurde mit der Wichtigkeit der wortgenauen Kenntnis biblischer Texte und Traditionen evangelisch-christlichen Glaubens für einsame angstgeprägte Weltkriegs-abende begründet. Menschen meiner Generation erinnern sich mit äußerst zwiespältigen Gefühlen dieser Art der Annäherung an die verfasste Kirche und ihren Konfirmandinnen- und Konfirmandenunterricht, den wir an vielen Orten erleiden mussten. Aber seit einigen Jahren wurde von Kirchenleitungsseite dieser Art von "schwarzer Pädagogik" durch Änderung gesetzlicher Grundlagen in vielen Landeskirchen ein Ende gesetzt. Nicht nur die Erklärungen für das Auswendiglernen hatten ihre Plausibilität verloren, sondern man wollte auch der Symbolik "Konfirmandinnen und Konfirmanden verabschieden sich nach der Konfirmation - ausgerüstet mit den wichtigsten Grundlagen des christlichen Glaubens - von der Kirchengemeinde" ein Ende setzen. Ein Weiteres hatte die Informationsgesellschaft getan, die das menschliche Gehirn auf Vergessen hin trainiert, so dass beim Auswendiglernen die Inhalte im besten Fall ins Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden und deshalb all zu schnell dem Vergessen anheim fallen. So wurde aus dem Konfirmandinnen- und Konfirmandenunterricht mit Bibel, Gesangbuch, Schild des Glaubens und Katechismus die Konfirmandinnen- und Konfirmandenarbeit, die sich nach dem Konfirmationsgesetz der Evangelischen Kirche der Pfalz durch folgende Formen und Funktionen definiert: "Übung, Beratung und Begleitung sowie Information, Diskussion und Aktion"."Die Konfirmandenarbeit ist zu verstehen als Ermutigung zum Christ sein", formuliert die Präambel dieses Gesetzes und beschreibt damit einen Paradigmenwechsel. Mit dieser Neudefinition begann die "Erfolgsgeschichte der Konfirmandinnen- und Konfirmandenarbeit". Heute nehmen in unserer Kirche deutlich mehr Jugendliche eines Jahrgangs an der Konfirmandinnen- und Konfirmandenarbeit teil, als 14 Jahre vorher Kinder getauft wurden. Die Kirche steht somit für die Begleitung Jugendlicher in der schwierigen Zeit der Pubertät.

"Ideale Bedingungen"
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Barbara Hanusa: "Zäh am Staunen"

Zum Verhältnis von Jugendlichen und christlicher  Religion im Kontext von Konfirmandenarbeit

Zäh am Staunen, so wünschte ich mir die Grundhaltung von Jugendlichen, wenn sie in das ihnen oftmals fremde Land der christlichen Religion geführt werden. Zäh im Dranbleiben an der Konfrontation zwischen ihren eigenen Fragen und Zweifeln, ihren Lebensgeschichten, ihren Persönlichkeiten mit der christlichen Tradition, staunend über die Schönheit, Fremdheit, Tragfähigkeit und Weite, die ihnen dort begegnet.
Und schon die Formulierung "so wünschte ich mir" ist entlarvend, weil sie den aktiven Part den Jugendlichen zuschreibt, im Sinne von "Seid bitte so, wie wir euch haben wollen." Auf der Suche nach einer zeitgemäßen und zielgruppenorientierten Didaktik für den Konfirmandenunterricht gilt es den Wunsch zu drehen, in die Richtung dessen, was wir als protestantische Kirche den Jugendlichen bieten. Wie kann ein Setting in der Konfirmandenarbeit aussehen, damit Jugendliche staunen können" Wie kann Konfirmandenunterricht organisiert sein, dass Jugendliche sich in ihrer ihnen manchmal eigenen Sperrigkeit in Sprache und Verhalten willkommen und angenommen fühlen" Wie kann die christliche Kirche sie zu Zähigkeit in der Auseinandersetzung mit ihr herausfordern"
Die Fähigkeit und die Kraft zu staunen als wichtige Dimensionen von Konfirmandenarbeit brauchen sorgfältig gestaltete Lernräume und -anlässe. Die Realitäten der Konfirmandenarbeit zeigen andere Facetten. Der evangelischen Kirche geht es mit dieser Veranstaltungsform gleichzeitig sehr gut und auch schlecht. Positiv lässt sich verbuchen, dass in den westdeutschen Landeskirchen statistisch gesehen nahezu noch 100 Prozent der getauften Jugendlichen durch die Konfirmandenarbeit erreicht werden. Das ist ein auffallend hoher Wert, gerade im Vergleich zu anderen gegenwärtigen kirchlichen Angeboten. Gleichzeitig gibt es deutliche Klagen seitens der KonfirmandInnen über den Unterricht. In der Studie über Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit zeigen die Ergebnisse gerade die Konfirmandenarbeit als einen Arbeitsbereich evangelischer Jugend mit Entwicklungspotenzial auf. Befragte Jugendliche beschweren sich darüber, dass man zuviel auswendig lernen muss, zu häufig Prüfungen hat, dass sie den Unterricht als eine Fortsetzung von Schule empfinden und dass sie selbst kaum Möglichkeiten zur Mitgestaltung des Unterrichts haben.(2) Warum nehmen sie trotzdem teil" Direkt gefragt antworten die Jugendlichen wenig überraschend: Weil alle gehen, die Eltern sie geschickt haben, sie sich kirchlich trauen lassen wollen, weil es zur Konfirmation Geschenke gibt.(3) Den Klagen über Langeweile seitens der KonfirmandInnen entsprechen häufig die Schilderungen von Überforderungserlebnissen derjenigen, die den Unterricht geben. Trotz oft hoher Motivation wird die Konfirmandenarbeit von vielen Hauptamtlichen als besonders anspruchsvoll und belastend empfunden.
Zur Lage des Konfirmandenunterrichts lässt sich resümieren, dass er quantitativ gut angenommen wird, qualitativ kann man nur bedingt von einer Erfolgsveranstaltung sprechen.

Referenzfragen mit Lebensgewinn
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Frank Löwe: Die Win-Win-Strategie

Konfirmanden- und Jugendarbeit brauchen einander

Zwei freundliche Jugendmitarbeiter kommen in den Konfirmandenunterricht und erzählen begeistert von der Jugendarbeit in der Gemeinde. An der Konfirmandenfreizeit nehmen sie teil, leiten Spiele an, haben viele Gags auf Lager. Ihr vertrauensvolles und überzeugendes Miteinander macht auf mich Eindruck. Als sie mich dann in den Jugendkreis einladen, sage ich zu. So beginnt meine "kirchliche Karriere". Irgendwann werde ich selbst Jugendleiter, studiere Theologie und werde Pfarrer.
So habe ich, der ich aus einem naturwissenschaftlich geprägten und kirchlich eher distanzierten Elternhaus komme, der Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit persönlich sehr viel zu verdanken: einen Zugang zum christlichen Glauben gefunden zu haben; die Erfahrung von Heimat in der Kirche; die Entdeckung von Kompetenzen in der Rolle als Jugendleiter; den Weg in einen Beruf, der mir Freude macht. Alles das möchte ich nicht missen.
Da ich meinen biografischen Hintergrund nicht vergessen habe, kann ich nur für eine enge Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit plädieren. Meine Erfahrungen als Konfirmand liegen fast dreißig Jahre zurück. Die Rahmenbedingungen, Methoden und Inhalte der Konfirmanden- wie auch der Jugendarbeit haben sich seitdem maßgeblich verändert. Dass die Kooperation von Jugend- und Konfirmandenarbeit als große Chance zu begreifen ist, gilt aber weiterhin.

Verknüpfung bringt Nachhaltigkeit

Konfirmanden- und Jugendarbeit brauchen einander
Die Konfirmandenarbeit entfaltet in der Verknüpfung mit der Jugendarbeit erst ihre Nachhaltigkeit. Durch die evangelische Jugendarbeit erfahren Jugendliche, dass es einen Platz für sie in der Gemeinde gibt (im Sonntagsgottesdienst erleben sie ja oft das Gegenteil). Sie begegnen jungen Menschen, denen Glaube und Kirche wichtig sind und die idealerweise darüber Auskunft geben können (obgleich ich um das Phänomen abnehmender religiöser Sprachfähigkeit weiß, bleibe ich dabei, dass Jugendliche gegenüber Jugendlichen überzeugender sind als die sog. "Berufschristen", die die Konfirmandenarbeit leiten). Die Jugendarbeit bietet Jugendlichen an, die Kirche nicht nur im einjährigen Vorübergehen zu erleben, sondern darüber hinaus in ihr heimisch zu werden und so an den existenziellen Fragen dran zu bleiben. Auf diese Weise werden Übergänge geschaffen, die verhindern, dass die Konfirmation zum Abschiedsfest vor dem faktischen Ausscheiden aus der Gemeinde wird.

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Ute Sparschuh: Eine Kirchenveranstaltung ist kein Jugendverband

Damals waren wir empört...

Wir waren empört, als vor ca. 20 Jahren die ersten Stellenausschreibungen für pädagogische Fachkräfte in der Jugendarbeit der Gemeinden auftauchten, die auch das Arbeitsfeld Konfirmandenunterricht (von Konfirmandenarbeit war damals kaum die Rede) beinhalteten.
Wir waren noch empörter, als etwa zeitgleich die ersten Beschwerden von Jugendarbeits-Fachkräften kamen, sie würden von den Pfarrern vom Konfirmandenunterricht systematisch ferngehalten.
"Da habt ihr auch nichts zu suchen", "Lasst euch doch nicht als Pausenclown missbrauchen", "Konfirmandenunterricht ist ja wohl Kernaufgabe der Pfarrer" - das waren unsere Antworten aus dem Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Wir tendierten zur reinen Lehre: Kirchliche Unterweisung und Jugendarbeit haben genauso wenig miteinander zu tun wie die Zwangsjacke Schule und die Jugendarbeit.

Inzwischen ist etliches Wasser den Rhein hinunter geflossen. Die Mitarbeit oder ganz selbstständig verantwortete Arbeit mit Konfirmanden ist für Jugendarbeitsfachkräfte in Gemeinden nahezu obligatorisch. Die Konfirmanden werden in der Regel nicht aus der Kirche herauskonfirmiert (1). Der Konfirmanden"unterricht" ist für die meisten Jugendlichen keine Zwangsveranstaltung, sie entscheiden selbst, ob sie teilnehmen und konfirmiert werden wollen (2). Die "biografische These" - jugendliche Ehrenamtliche "wachsen" aus Gruppen, Freizeiten und Konfi-Gruppen - ist nicht widerlegt. Und dass die Altersgruppe, die sich dafür gewinnen lässt, inzwischen näher am Konfi-Alter als an dem junger Erwachsener ist, ist Allgemeingut.


Entscheidend ist die jeweilige pädagogische Qualität

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"Das Beste kommt noch"

Ein Gespräch über Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit, über Brücken und Gräben, über Highlights und Alibifunktionen mit Ines Güther, Jugendrefentin in Augsburg und Mitarbeiterin beim Konficamp, Reinhold Ostermann, Konzeptionsreferent im Amt für evangelische Jugendarbeit in Bayern und Werner Windisch, jetzt Dekanatsjugendreferent in München, davor auf einer Projektstelle für Konfirmandenarbeit im Dekanat Fürth. Das Gespräch führte Wolfgang Noack

baugerüst: Tutoren, Mentoren oder einfach nur Konfi-Helfer nennen sich die neuen Ehrenamtlichen. Warum engagieren sich so viele Konfirmanden im darauf folgenden Jahr in der  Konfirmandenarbeit?

Windisch: Jugendgruppen kommen nicht mehr so leicht zustande wie früher. Wenn nun ehemalige Konfirmanden gerne mitarbeiten, müssen wir ihnen in den Gemeinden auch eine Möglichkeit anbieten. Für mich ist diese Mitarbeit  eine Form von "kleiner Jugendarbeit".

Güther: Wir haben in Augsburg die gleichen Erfahrungen gemacht. Die Jugendlichen haben positive Erinnerungen an ihre Konfirmandenzeit, wollen das weitergeben und es macht ihnen Spaß mitzuarbeiten. Die Gemeinden sind dankbar, dass es überhaupt ein Angebot für Jugendliche gibt. Für mich ist diese Arbeit ebenso Jugendarbeit.

baugerüst: Aber diese beiden Felder in der Arbeit mit Jugendlichen haben doch unterschiedliche Ziele.

Ostermann: Kirche definierte rein formell die Ziele für die Konfirmandenarbeit und verlangt von den Konfirmanden, dass sie sich mit wesentlichen Themen des Glaubens auseinander setzen. Da Unterricht und die Arbeit an Texten eher an Schule erinnern, orientieren sich neue Richtlinien an der Lebenswelt Jugendlicher.

Güther: Im Konficamp ist Gemeinschaft das große Thema. Die Jugendlichen nehmen ganz viele positive Erlebnisse und Erfahrungen aus der Gruppe mit nach Hause, ganz gleich aus welchem Grund sie gekommen sind.

baugerüst: Die Konfirmandenzeit geht auf ein Ziel hin, auf die Konfirmation. Wäre diese Konfirmandenzeit genauso attraktiv, wenn am Ende nicht eine kirchliche Handlung stehen würde?

Windisch: Es gibt eine Verschiebung bei der Wahrnehmung der Konfirmation, weg von einem Initiationsritus hin zu einem Familienfest, zu einer Vergewisserung, wer mit mir auf dem Weg in die Zukunft ist. Menschen machen sich ganz viele Gedanken, wie man diesen Tag gemeinsam gestalten kann.

Ostermann: Eigentlich gilt dies für alle kirchlichen Rituale. Neben dem theologischen Inhalt der Kasualie gibt es immer noch ganz eigene Motive der Menschen daran teilzunehmen.baugerüst: Und die Konfirmandenarbeit steuert auf diese Höhepunkte zu.

Güther: Am Ende dieses Jahres muss die Konfirmation stehen. Nicht allein wegen der Feier oder der Geschenke. Den Jugendlichen ist es wichtig, dass sie konfirmiert werden.

Windisch: Es ist wichtig, dass eine solche Passage wirksam begangen wird. Das erlebt man auch in anderen Bereichen. Die Promotion könnte auch damit enden, dass man die Urkunde zugeschickt bekommt. Nein, auch hier gibt es ein Ritual vor und mit der Öffentlichkeit.

Ostermann: Die kirchliche Handlung und das Fest sind die Stärken der Konfirmandenarbeit gegenüber der Jugendarbeit. Hier gibt es eine Perspektive, auf die alles zuläuft.

baugerüst: Ist das auch der Grund, warum die Mitarbeit nach der Konfirmation so beliebt ist?

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Autorinnen und Autoren

  • Tabea Bartels, Wildberg
    Pfarrerin, Projektstelle Konfirmandenarbeit der Pommerschen Evangelischen Kirche
  • Dr. Oliver Dimbath, Augsburg
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Augsburg
  • Michael Freitag, Hannover
    Grundsatzreferent der Arbeitsgemeinschaft der Evang. Jugend in Deutschland (aej)
  • Ines Güther, Augsburg
    Dipl. Sozialpädagogin (FH), Jugendreferentin der Evang. Jugend Augsburg
  • Carsten Haeske, Drübeck
    Pfarrer, Pädagoge, Dozent am Päd.-Theol. Institut der Föderation Ev. Kirchen in Mitteldeutschland und der Landeskirche Anhalts
  • Dr. Barbara Hanusa, CH-Hasliberg
    Pfarrerin, Didaktische Leiterin der Ecole dè Humanite Schweiz
    Dieter Hoff, Bad Tölz
    Dipl.  Sozialpädagoge (FH), Jugendreferent der Evangelischen Jugend Bad Tölz
  • Steffen Jung, Kaiserslautern
    Landesjugendpfarrer
  • Ekkehard Langbein, Hamburg
    Pastor am Pädagogisch-Theologischen Institut Nordelbien
  • Dr. Frank Löwe, Wiesbaden
    Stadtjugendpfarrer für die Region in Hessen und Nassau
  • Volker Napiletzki, Wolfratshausen
    Dipl. Religionspädagoge (FH), Jugendreferent der Evang. Jugend St. Michael
  • Dieter Niermann, Bremen
    Diakon und Diplomsozialpädagoge
  • Reinhold Ostermann, Nürnberg
    Dipl.  Sozialpädagoge (FH), Referent im Amt für Evang. Jugendarbeit in Nürnberg
  • Dr. Marcell Saß, Münster
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für praktische Theologie und Religionspädagogik an der Westfälischen Wilhelms Universität
  • Karin Schlenker-Gutbrod, Stuttgart
    Freiberufliche Organisationsentwicklerin
  • Willy Schönauer, Kuppenheim
    Projektberatung für Jugendkirchen
  • Dr. Ute Sparschuh, Düsseldorf
    Diplompädagogin, Referentin im Amt für Jugendarbeit der Evang. Kirche im Rheinland
  • Dr. Friedrich Schweitzer, Tübingen
    Professor an der Evang.-Theol. Fakultät der Eberhard-Karls Universität
  • Werner Windisch, München
    Diakon, Referent der Evang. Jugend München

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