Jana Highholder: "Meine Vision ist eine Jugend, die Gott kennt."

Ein Gespräch mit der Medizinstudentin und Influecerin Jana Highholder, die für die EKD auf ihrem Youtube-Kanal "Jana glaubt" Einblick in ihren Alltag mit Gott gibt.

Ein Gespräch mit der Medizinstudentin und Influecerin Jana Highholder, die für die EKD auf ihrem Youtube-Kanal "Jana glaubt" Einblick in ihren Alltag mit Gott gibt.

baugerüst: Wovon hast du als kleines Mädchen geträumt?

Jana: Als kleines Mädchen wollte ich Lehrerin werden. Ich glaube, das kommt daher, dass ich meine Grundschullehrerin sehr positiv in Erinnerung habe, auch heute noch Kontakt mit ihr habe, mich in unregelmäßiger Regelmäßigkeit mit ihr treffe und sie mein Leben begleitet. Und auch in der Oberstufe war meine Deutschlehrerin sehr prägend für mich. Ich habe einfach sehr viele große Persönlichkeiten, Menschen mit großem Herzen und großer Leidenschaft in diesem Beruf erleben dürfen. Ich glaube, dass mir das auch liegt. Ich kann gut erklären, kann gut mit Menschen umgehen. Ich habe auch in der Abizeit Lerngruppen geleitet. Das war in meiner Kindheit der Traum, der sich dann gewandelt hat. 

baugerüst: Wann kam dann der Traum vom Medizinstudium?

Jana: Der Wunsch kam eigentlich gar nicht. Medizin war das, was ich auf gar keinen Fall machen wollte, weil ich immer gesagt habe, ich gehe nicht zurück auf die andere Seite dieses Bettes. Die Geschichte, warum ich Medizin studiere, ist eine ganz lange und hat einen Prozess in mir angestoßen. Letztendlich war der Schritt, Medizin zu studieren, auch ein Schritt im Gehorsam Gott gegenüber. Er hat mir Liebe zu etwas geschenkt, von dem ich niemals gedacht hatte, dass es so sein würde. Aber es war nie mein Traum, „Jana in weiß auf den Krankenhausfluren“ zu sein. 

baugerüst:Du bist im Alter von sechs Jahren an Krebs erkrankt, hast damals selbst viel Zeit im Krankenhaus verbracht. Inwieweit hat das deine Lebenseinstellung, deine Träume und deine Ziele verändert?

Jana: Das hat sehr geprägt. Ich bin nicht dankbar für die Krankheit an sich, aber ich bin dankbar für die Perspektive, die sie mir geschenkt hat, für das, was daraus geworden ist. Meine Priorität im Leben ist immer mein Gegenüber, immer der Mensch, immer die Beziehung. Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen dem besten Job irgendwo in XY, wo ich ganz alleine bin, oder dem viert-/fünftbesten Job mit meiner Familie, mit Menschen, die mich lieben, die ich liebe, würde ich mich immer für den viert-/fünftbesten Job entscheiden. Die Priorität liegt nicht mehr darin, die beste Herzchirurgin dieser Welt zu werden. Wenn ich für mein Kind die beste Mutter dieser Welt sein kann, für meinen Mann die beste Frau dieser Welt, dann habe ich meinen Traum erreicht. Mein Traum war es immer, jung zu heiraten, weil meine Eltern mir vorgelebt haben, das Bündnis des Lebens mit jemand anderem zu bestreiten. 

baugerüst: Und was ist und bleibt heute noch dein großer Traum? 

Jana: Das ist in gewisser Weise ich-bezogen, überhaupt kein „Ich rette die Welt“-Traum, sondern ich habe mir schon von Kind an gewünscht, dass meine Großeltern bei meiner Hochzeit dabei sein können. Das ist ein ganz primitiver, kindlicher Wunsch, der geblieben ist. Wenn ich den Tag mit euch teilen kann, wäre das echt ein Freudenstrahl für mein Herz. Ich weiß aber, dass es nicht von einer weltbewegenden Relevanz für die Weltgeschichte ist. 

baugerüst: Das Schöne am Traum ist ja, dass er persönlich und individuell sein darf. Gibt es dennoch auch einen kollektiven Traum deiner Generation? 

Jana: Ich habe das Gefühl, wir sind eine Generation von Individualisten. Jeder muss das finden, wofür er steht, wofür er kämpft, was er gut kann. Und dann finden sich Gruppierungen von Menschen, die einen gleichen, idealistischen Traum haben, zum Beispiel die Umweltbewegung. So findet unsere Generation ihr Standing in der Gruppierung. Aber tatsächlich würde ich ein Kollektiv verneinen. Hätte mich vor ein, zwei Jahren jemand gefragt, was regt uns so auf oder begeistert uns, dass wir gemeinschaftlich auf die Straßen gehen, hätte ich keine Antwort gewusst. Mit „Fridays for future“ ist es etwas anders geworden. 

baugerüst: Du bist auch Poetry Slammerin. Warum handeln Poetry Slams so oft von Träumen? 

Jana: Ich glaube, das hat die Kunst so an sich. Die Kunst ist unlimitiert und frei. Es ist ein Abbild deiner Innenwelt und das, was innen ist, muss noch lange nicht außen sein. Ich glaube, jeder Künstler – der Musik macht, ein Bild zeichnet oder einen Text schreibt – baut seinen eigenen Gedankenpalast in der Art und Weise, wie er es kann. Ich kann nicht besonders gut malen, deshalb kann ich mein Inneres überhaupt nicht in einem Bild darstellen. Aber schreiben kann ich und kann so meine Gedankenpaläste zu Papier bringen und ihnen Formen und Bilder geben. Sie so lebendig werden, aber auch ruhen lassen. Was in mir drin ist, was mich vielleicht aufwühlt, aber wenn ich es auf Papier bringe, dann habe ich es manifestiert. Dann ist diese Unruhe, dieses Glücksgefühl oder diese Trauer manifestiert in diesem Gedicht. 

baugerüst: Welchen Traum hast du in Bezug auf deinen Youtube-Kanal, was ist dein Ziel, deine Vision mit deinem Engagement in den sozialen Netzwerken?

Jana: Meine Vision ist eine Jugend, die Gott kennt, eine Jugend mit Gott. Dass wir uns in sozialen Netzwerken aufhalten, kann man diskutieren, das kann man gut oder schlecht finden. Aber es ist nicht meine Aufgabe zu werten, sondern ich akzeptiere das als etwas, das da ist und frage mich, wie ich das bestmöglich nutzen kann. Wenn alle da sind und konsumieren, dann sehe ich mich in der Verantwortung, Content zu generieren, der es wert ist, gehört zu werden. Ich selbst verstehe mich nicht so sehr als Konsumentin, aber ich versuche, Inhalt zu generieren, der die beste Botschaft dieser Welt beinhaltet. Wenn wir in sozialen Medien alles finden, jede Lippenstiftschattierung, dann doch bitte auch die beste Botschaft der Welt, die den Menschen errettet und erlöst und eine neue Lebensperspektive gibt und die den Smartphone-Rahmen weit sprengt. Dass jetzt gesagt wird „Kirche goes Social Media, Kirche goes digital“, ist nicht fortschrittlich, das ist höchste Zeit. Alle anderen sind schon längst da, wir müssen hinterherkommen. Und wenn Gott sagt, er lässt sich finden, dann bin ich total überzeugt davon, dass er sich auch über Instagram, Youtube und Facebook finden lässt. Und unsere Verantwortung ist es, diese Plattform so zu bespielen, dass er dort den Raum hat, der ihm gebührt, der ihm zusteht. Und das passiert nicht von selbst, dafür sind wir als Nachfolger und Nachfolgerin verantwortlich. Christen sollen überall sein. Und das Altenheim ist nicht wichtiger als das Internet und das Internet ist nicht wichtiger als das Altenheim. Wichtig ist, dass wir überall sind und dass jeder da ist, wo es seinen Begabungen und Gaben entspricht. 

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Foto: Tibor Normann